KarstadtQuelle Banken gehen auf Distanz zu Karstadt


Mehrere große Gläubigerbanken haben ihre Kreditangagements bei dem erst kürzlich geretteten Kaufhauskonzern verkauft - und das weit unter dem Nennwert. Karstadt versucht, die Gemüter zu beruhigen.

Immer mehr Gläubigerbanken gehen auf Distanz zum angeschlagenen Handelskonzern KarstadtQuelle und trennen sich von ihren Kreditengagements bei Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern. Die Landesbank Baden-Württemberg, die Hypo-Vereinsbank, die Westdeutsche Landesbank und die Hessisch-Thüringische Landesbank hätten zusammen bereits Darlehen von mehr als 300 Millionen Euro unter Nennwert an Investmentbanken und Hedge-Fonds verkauft, berichtete die "Financial Times Deutschland". Weitere Banken liebäugelten mit dem Gedanken. Erst im November 2004 war die Sanirung des angeschlagenen Kaufhausriesen geglückt, nachdem die Aktionäre der dringend nötigen Kapitalerhöhung zugestimmt und den harten Sanierungskurs des Vorstandes abgesegnet hatten.

Karstadt: Normale Geschäftstransaktion

Karstadt-Sprecher Jörg Howe bestätigte am Dienstag die Kreditverkäufe wies allerdings die Interpretation zurück, dass die Gläubiger aus Karstadt flüchteten. "Es handelt sich um ganz normale Geschäftstransaktionen unter Banken." Schon die Tatsache, das Goldman Sachs die Kredite auch für Pensionsfonds aufkaufe, zeige: "Das ist kein Engagement, wo man furchtsam die Hände zusammenschlägt", betonte Howe. "Die legen ihren Schwerpunkt auf Rendite und Langfristigkeit."

Gleichzeitig bestätigte er, dass die Gespräche über einen Verkauf der Karstadt-Beteiligung am Deutschen Sportfernsehen (DSF) weit fortgeschritten seien. "Wir rechnen bald mit dem Abschluss." Nach Informationen des "Handelsblattes" will der Münchner Medienkonzern EM.TV die Anteile für bis zu 28 Millionen Euro übernehmen.

Landesbank Baden-Württemberg brach Vereinbarung

Die Landesbank Baden-Württemberg hatte nach dem Bericht der "Financial Times Deutschland" am Freitag eine stillschweigende Vereinbarung der Gläubigerbanken gebrochen, auf Kreditverkäufe zu verzichten. Andere Banken seien dann rasch gefolgt. An der Börse werde der Verkauf der Kredite so interpretiert, dass die Banken dem Sanierungskonzept nicht trauten, zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten Händler. Bereits am Montag hatte die Karstadt-Aktie deshalb deutliche Kurseinbußen hinnehmen müssen und auch am Dienstagvormittag verlor die Aktie weiter an Wert.

"Für das Unternehmen ist der Verkauf der Kredite ein Desaster", zitierte die Zeitung einen Banker. Statt mit deutschen Geschäftsbanken müsse KarstadtQuelle künftig mit Vertretern internationaler Hedge-Fonds verhandeln, wenn der Konzern die Vorgaben nicht erfülle. Die Investoren könnten den bisherigen Sanierungsplan deutlich verschärfen. Karstadt-Sprecher Howe widersprach allerdings. "Wir haben ein sehr anspruchsvolles Sanierungskonzept. Dabei bleibt es."

Großteil ging an Goldman Sachs

Der Großteil der Kredite wurde dem Bericht zufolge von der US-Investmentbank Goldman Sachs erworben - zum Weiterverkauf an Hedge-Fonds und Pensionskassen, aber auch auf eigene Rechnung. KarstadtQuelle sei in Deutschland der erste große Fall für solche international üblichen Kreditverkäufe, betonte das Blatt.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker