Kaupthing-Bank Finanzaufsicht schließt deutsche Filiale


Die Bankenkrise, die Islands Volkswirtschaft an den Rand des Ruins gebracht hat, betrifft auch deutsche Sparer. Die deutsche Finanzaufsicht schloss die hiesige Niederlassung der isländischen Bank und untersagte ihr, Gelder auszuzahlen. Kunden können derzeit nicht auf ihre Online-Konten zugreifen.

Die durch die internationale Finanzkrise ausgelöste isländische Bankenkrise wirkt sich auch auf deutsche Sparer aus. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat die deutsche Niederlassung der isländischen Bank Kaupthing geschlossen. Nach einer Mitteilung vom Donnerstagabend erließ sie ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Außerdem untersagte sie der deutschen Kaupthing-Niederlassung, Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden ihr gegenüber bestimmt sind.

Die BaFin begründete das sogenannte Moratorium damit, dass die verbliebenen Vermögenswerte gesichert werden müssten. Es bestehe die Gefahr, dass die Niederlassung ihre Verpflichtungen gegenüber Gläubigern nicht mehr erfüllen könnte.

Nach dem Bankenchaos in Island wurde unterdessen der Aktienhandel an der Börse in Reykjavik bis Montag komplett gestoppt. Der Börsenbetreiber OMX begründete den Schritt mit der "ungewöhnlichen Marktsituation" auf der Atlantikinsel. Die isländische Börse wird stark von den heimischen Banken dominiert. Wegen der internationalen Finanzkrise hatte die Regierung seit vergangener Woche nacheinander alle drei führenden Geldhäuser Kaupthing, Landsbanki und Glitnir unter staatliche Zwangskontrolle gestellt. Zuletzt hatte die Regierung am Donnerstagmorgen mit Kaupthing auch die größte und zuletzt als am stabilsten eingeschätzte Bank verstaatlicht.

Nach BaFin-Angaben hatte die isländische Muttergesellschaft Kaupthing bereits am Mittwochabend den Zugriff auf die Online-Konten der Niederlassung in Deutschland gesperrt, nachdem sie der Kontrolle der isländischen Finanzaufsicht unterstellt worden war. Auf der Homepage der Bank hieß lediglich: "Derzeit ist der Zugriff auf die Online-Konten nicht möglich." Dabei hatte die Geschäftsführung zuvor in einer Mitteilung beteuert, dass das Geldhaus nicht in Schwierigkeiten sei. Ein Unternehmenssprecher wollte die Lage der Bank am Donnerstag nicht kommentieren und verwies auf die Zentrale in Island.

Die deutsche Kaupthing-Niederlassung hat nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) etwa 30.800 Kunden und Einlagenverbindlichkeiten in Höhe von 308 Millionen Euro. Die Kaupthing Bank selbst hatte sich über die Zahl ihrer Kunden in Deutschland und die Höhe der Einlagen ausgeschwiegen. Nach früheren Angaben der deutschen Finanzaufsicht BaFin untersteht die Bank den isländischen Kontrollbehörden. Daher müssten sich die deutschen Kunden an die dortige Einlagensicherung wenden. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag verkündete Staatsgarantie in unbegrenzter Höhe gilt für sie nicht. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums der "Berliner Zeitung".

In Großbritannien fürchteten derweil Dutzende Gemeinden um ihre Einlagen bei isländischen Banken im Wert von 500 Millionen Pfund. Interessenvertreter der lokalen Behörden forderten die britische Regierung am Donnerstag auf, wie bei den Privatkunden auch für dieses Geld einzustehen. Dem Deutschen Städte- und Gemeindebund liegen keine Erkenntnisse vor, dass deutsche Gemeinden Einlagen bei isländischen Banken haben.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

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