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Marseille Kliniken: Presseanfrage? Das macht dann 200 Euro!

Unternehmen haben Pressesprecher, die für Journalisten Daten recherchieren oder Interviews einfädeln. Auch die Marseille Kliniken haben eine PR-Abteilung - die aber nimmt Geld für solche Leistungen.

Wer als Journalist Infos über ein Unternehmen braucht, ruft bei der Pressestelle der Firma an. Dort sitzen Menschen, die von ihrem Arbeitgeber dafür bezahlt werden, Daten zusammenzutragen, Interviewtermine zu finden und Hintergrundmaterial zu liefern. Das gilt auch für bekannte Künstler, Politiker - und selbst kleinere Firmen leisten sich zumindest einen Mitarbeiter, der dafür sorgt, dass die Presse Infos erhält. Schließlich sorgt man so auch für Medienrummel. Dadurch wird man bekannt, das kann nicht schlecht sein.

Daher liest sich der Beitrag vom "Handelsblatt" auch so verstörend. Denn dort wird berichtet, dass eine Presseanfrage des "Spiegel" zwar gerne angenommen wurde - aber für die Bearbeitung Geld gefordert wurde.

Unangenehme Fragen

Im konkreten Fall hatte ein Journalist des Magazins eine Presseanfrage am die Hamburger Marseille Kliniken gestellt. Er wollte wissen, ob der Unternehmer Ulrich Marseille wohl die Kaution für den Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff gestellt habe. Sicherlich, das ist keine nette, brave Anfrage nach Zahlen und Hintergründen zur Klinik-Kette. Aber auch unangenehme Fragen müssen von der PR-Abteilung bearbeitet werden.

Pressearbeit ist kostenpflichtig

Der Journalist erhielt dann allerdings nicht direkt die benötigte Antwort - sondern einen Kostenvoranschlag. "Für die Beantwortung der Anfrage, Recherche" und die "Auswertung von Unterlagen" verlangten die Marseille Kliniken 148 Euro, schreibt das "Handelsblatt". Dazu kam noch eine "Schreibgebühr" von 20 Euro. Insgesamt sollte der "Spiegel" eine Rechnung von 199,20 Euro zahlen. Sei dem vergangenen Jahr ist die Arbeit der Presseabteilung offenbar kostenpflichtig - ein einmaliger Vorgang. Denn Medienanfragen sind bislang kostenlos gewesen.

PR-Katastrophe und Image-Schaden

Der Redakteur holte sich Hilfe bei der Rechtsabteilung des Magazins. Die lehnte natürlich die Rechnung ab. Man werde nicht zahlen, ließen die Juristen das Unternehmen wissen. Die Presseabteilung der Marseille Kliniken blieb jedoch hartnäckig, schließlich handele es sich um ein "Sonderangebot" bei den knapp 200 Euro.

Ende der Geschichte: Der "Spiegel" zahlte die Rechnung nicht und druckte eine Geschichte ohne Stellungnahme der Kliniken. Auf Nachfrage des "Handelsblatt" reagierte das Unternehmen nicht. Der Tabubruch, die Arbeit der Presseabteilung in Rechnung zu stellen, scheint für die Marseille Kliniken nach hinten loszugehen: Die Rechnung blieb unbezahlt - aber das PR-Desaster hat das Image ganz schön angekratzt.

Katharina Grimm
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