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Keine Trendwende: Sprit kann bald 2,50 Euro kosten

Wer kann das noch bezahlen? An den Tankstellen eilt der Benzinpreis von Rekord zu Rekord, viele Deutsche lassen ihr Auto notgedrungen in der Garage stehen. Behält RWE-Experte Fritz Vahrenholt recht, wird die Tankfüllung bald zur unfreiwilligen Geldanlage – ohne Zinsen.

Auch nach dem Öl-Krisengipfel in Saudi-Arabien befürchten Experten, dass die Benzinpreise weiter steigen. Fritz Vahrenholt, Chef der Ökostromsparte beim Energiekonzern RWE, warnte gar vor Benzinpreisen von 2,50 Euro. Beim nächsten wirtschaftlichen Aufschwung werde der Ölpreis auf 250 Dollar steigen und der Benzinpreis in Deutschland dann 2,50 Euro pro Liter erreichen, sagte Vahrenholt im "Deutschlandfunk".

Der RWE-Manager vertrat die These, dass die Ölfördermenge praktisch nicht mehr steigen kann. "Wir wissen, dass alle Staaten der Ölförderländer am Anschlag produzieren", sagte er. Selbst wenn Saudi-Arabien noch etwas zulegen könne, entspreche das "gerade mal dem, was China in einem Jahr zusätzlich verbraucht. Wir finden ein Barrel Öl und verbrauchen drei", meinte Vahrenholt. Er forderte deshalb ein Umdenken der Politik. Braunkohle und Erdgas könnten zu Benzin verarbeitet werden, um die Mobilität zu sichern. Für die Stromerzeugung bedeute das ein "Ja zur Kernenergie".

Auch Andreas Hölzel, Verkehrsexperte des ADAC, warnt vor weiteren Preisrunden beim Benzin. Obwohl Prognosen "extrem schwierig" seien, dürfte der Beginn der Ferien in Hessen und Rheinland-Pfalz am Montag für steigende Preise sorgen. "Es ist zu befürchten, dass noch ein bisschen was draufgelegt wird", erklärte er stern.de.

Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst erwartet ebenfalls, dass die Preise an den Zapfsäulen "entweder gleichbleiben oder steigen". "Der Gipfel in Saudi-Arabien hat nicht gereicht, um eine Trendwende einzuleiten", sagte er.

Andere Experten erwarten hingegen, dass der Ölpreis in den nächsten Monaten auf etwa 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) sinken wird. Klaus Schrüfer, Leiter Anlagestrategie bei der SEB Bank, erwartet zum Jahresende einen "Ölpreis von 110 Euro oder etwas niedriger". Im Ölpreis von gegenwärtig knapp 137 Dollar pro Barrel von 159 Litern sei "einiges an Übertreibung drin", sagte Schrüfer. Wenn die Weltkonjunktur etwas nachlasse, "sollte auch die Nachfrage langsamer zunehmen". Damit könnte der Preis sinken. Zudem werde der Ausstieg von Spekulanten, die auf steigende Ölpreise setzten, den Preis unter Druck setzen.

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, erklärte ebenfalls, dass "sich der Ölpreis deutlich nach unten korrigieren wird, weil dann verschiedene Akteure ihre Gewinne realisiert haben und zusätzliche Fördermaßnahmen zu wirken beginnen". Der Preis werde daher auf etwa 100 Dollar pro Barrel sinken.

chs/AP/DPA / AP / DPA