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KIRCH-POKER: Kirch-Investoren bieten Springer Beteiligung an

Im Zuge der geplanten Neuordnung der KirchMedia haben Investoren nach Informationen der »Financial Times« dem Axel Springer Verlag eine Beteiligung angeboten. Dieser lehnte jedoch ab.

Springer lehnt Angebot ab

Im Zuge der geplanten Neuordnung des Gesellschafterkreises bei der Mediengruppe KirchMedia haben Investoren nach Informationen der »Financial Times« dem Axel Springer Verlag eine Beteiligung angeboten. Der Verlag prüfe den Vorschlag, einen Teil seiner Forderungen gegenüber Kirch im Volumen von 767 Millionen Euro gegen eine Minderheitsbeteiligung bei Kirchmedia einzusetzen, berichtete die Finanzzeitung in ihrer Donnerstagausgabe. Mit einer Beteiligung von Springer könnten auch Sorgen in der Politik beseitigt werden, KirchMedia gerate in ausländische Hände, hieß es weiter.

Der Axel Springer Verlag will jedoch nicht gegen eine Beteiligung am Kerngeschäft der KirchGruppe auf seine millionenschwere Forderung gegen den Medienkonzern verzichten. »Ein Verzicht ist für uns keine Option«, sagte eine Springer-Sprecherin. In den Gesprächen mit Kirch konzentriere sich Springer auf die Erfüllung der offenen Forderungen.

Seit Tagen verhandeln die vier Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank mit den Kirch-Minderheitsgesellschaftern um den australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch und der italienischen Mediaset über die zukünftige Kontrolle der Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft KirchMedia. Bisher gilt es als wahrscheinlich, dass die Gesellschafter im Zuge einer Kapitalerhöhung die Mehrheit an KirchMedia übernehmen, die Banken aber mit mindestens 25 Prozent bei der Filmgesellschaft einsteigen.

Schröder: Einfluss Berlusconis »nicht unproblematisch«

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich kritisch über einem möglicherweise wachsenden Einfluss des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf den deutschen Medienmarkt nach einer Übernahme des Kirch-Konzerns geäußert.

Schröder sagte dem »Spiegel« in einem am Donnerstag vorab verbreiteten Interview: »Bei Berlusconi glaube ich, dass es nicht unproblematisch ist, wenn ein Ministerpräsident eines mit uns befreundeten Landes über seine privaten Unternehmen ausgerechnet im deutschen Medienbereich Einfluss hätte.« Mindestens eine glaubhafte Trennung von Politik und Geschäft sei nötig.

Kirch weiter bereit zum völligen Rückzug

Firmengründer Leo Kirch ist nach Angaben aus ihm nahe stehenden Kreisen bereit, sich aus KirchMedia vollständig zurückzuziehen, fordert dafür aber den Löwenanteil der Verwertungserlöse für die Fußball WM 2006 in Deutschland.

Es sei allen klar, dass KirchMedia von der Insolvenz bedroht sei, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Kirch habe jedoch den Banken ein abgeändertes Liquiditätskonzept vorgestellt, nach dem KirchMedia für die nächsten sechs Wochen nur rund 150 Millionen Euro an kurzfristiger Finanzierung benötige statt wie bisher angenommenen 230 Millionen Euro.