Kirch vs. Breuer "Für ihn geht es um Gerechtigkeit"


Leo Kirch hat es geschafft. Seit dem Zusammenbruch seines Medienimperiums hatte der 78-jährige nur noch ein Ziel. Er wollte den Mann zur Verantwortung ziehen, den er für den Schuldigen der Pleite hält: Rolf Breuer, den Ex-Chef der Deutschen Bank.

All seine Energie steckte Leo Kirch in einen erbitterten Krieg gegen Rolf Breuer und verklagte ihn in mehreren Prozessen auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Das Geld war dabei fast Nebensache: "Für ihn geht es um Gerechtigkeit", sagt einer, der ihm nahe steht. Kirch selbst äußerte sich am Montag - wie immer - nicht öffentlich. Aber der Rücktritt Breuers als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank dürfte für ihn der größte Triumph sein, seit seinem spektakulären Abtritt vor vier Jahren.

Konzern mit einem einzigen Satz vernichtet

Bis heute ist Kirch davon überzeugt, dass Breuer, der damals noch Chef der Deutschen Bank war, den Konzern im Jahr 2002 mit einem einzigen Satz über die mangelnde Kreditwürdigkeit der KirchGruppe in den Abgrund gestürzt hat. "Er glaubt fest daran, dass sein Imperium ohne diese Bemerkung noch immer Bestand hätte", heißt es in Branchenkreisen. Nach der Äußerung des mächtigen Bankmanagers drehten die anderen Geldinstitute Kirch den Geldhahn zu und am 8. April 2002 musste das Unternehmen für das Kerngeschäft Insolvenz beantragen.

Zwar hatte Kirch den Kampf um sein Lebenswerk an diesem Tag verloren. Den Kampf um Ehre und Gerechtigkeit nahm er aber umso energischer auf. Wer dies als fixe Idee eines gebrochenen Mannes ansah, lag falsch - denn die Richter gaben ihm Recht. Nach einer Reihe anderer Prozesse entschied im Januar der Bundesgerichtshof, dass Breuer durch seine öffentliche Äußerung über Kirchs Kreditwürdigkeit vertragliche Pflichten gegenüber der Kirch- Gesellschaft verletzt hat. Am Sonntag teilte Breuer dem Aufsichrat schließlich mit, er wolle die Bank nach dem BGH-Urteil "von weiteren Diskussionen um seine Person entlasten".

Neue Kirchprojekte sind noch geheim

Für die Deutsche Bank ist die Akte Kirch damit aber nicht geschlossen: Denn Schadenersatz ist bis jetzt nach Angaben aus dem Kirch-Umfeld nicht geflossen. Dieser könnte nach Einschätzung der Anwälte eine Milliardensumme erreichen.

Leo Kirch braucht dieses Geld eigentlich nicht. Obwohl er zeitweise zu den reichsten Männern Deutschlands gehörte, lebte er stets bescheiden und von der Öffentlichkeit nahezu abgeschirmt, überwiegend in seiner Wohnung in München. Daran dürfte sich selbst bei einer milliardenschweren Überweisung von der Deutschen Bank nichts ändern. "Er hat nicht vor, sein Geld für Yachten oder Immobilien zu verpulvern", sagt sein Vertrauter. Durchaus denkbar ist aber, dass Kirch das Geld in eine neue Firma steckt. Obwohl er herzkrank und fast blind ist, geht Kirch fast jeden Tag in sein Büro in der Münchner Innenstadt und arbeitet dort an neuen Projekten. "Er ist geistig fit wie ein Turnschuh." Woran er arbeitet, bleibt geheim. Aber für Überraschungen war Leo Kirch schon immer gut.

Daniela Wiegmann/DPA DPA

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