VG-Wort Pixel

Hier spricht der Boomer Tesla in der deutschen Provinz: ZDF-Reportage haut in die Populismus-Kerbe

Musk Tesla Schmiechen
Die deutschen Behörden fühlen sich von Tesla und Chef Elon Musk getrieben
© Odd Andersen / AFP
Eine ZDF-Reportage über die US-Autofirma haut in die Populismus-Kerbe: Provinzielles Denken trifft da auf große Ideen. Statt Fortschritt fördert Deutschland lieber Wald und Wiesen, meint unser Gastautor.
Von Frank Schmiechen

Der Film über Tesla beginnt wie aus dem Handbuch für Propaganda. Wir sehen Grünheide in Brandenburg. Saftige Wiesen, grüne Bäume, eine Idylle. Dazu hören wir romantische Musik. Dann ein harter Schnitt. Wir sehen die Tesla-Fabrik in Shanghai. Stahl. Rohre. Industrie. Elektromusik liefert den harten Soundtrack. 

Von diesem engen Ideologie-Korridor weicht die ZDF-Reportage "Turbo, Tempo, Tesla" im Lauf der folgenden 44 Minuten leider keinen Millimeter ab.

Wenn im deutschen Fernsehen über Wirtschaft berichtet wird, sind die Fronten klar. Auf der einen Seite steht der natur- und menschenvernichtende Unternehmer. Auf der anderen Seite die unterdrückten Anwohner. Oder ein Lurch, für den sich noch nie ein Mensch interessiert hatte.

Auch im Film über Tesla in Brandenburg ist das so. Da darf unwidersprochen behauptet werden, dass ein "Wald" abgeholzt wurde. Oder dass die Trinkwasservorräte vernichtet werden. Die große Mehrheit der Naturschutzverbände hält die Abholzung der Kiefernschonung für ökologisch vertretbar. Tesla hat sich entschieden, eine Luft- statt einer Wasserkühlung zu bauen. 

Was sagt Tesla-Chef Musk dazu? 

Wir lernen außerdem, dass Amerikaner immer laut, größenwahnsinnig und naiv sind. Tesla-Chef Elon Musk sagt im Film: "Wenn es kein Wasser gäbe, würden wohl nicht so viele Bäume hier wachsen. Wir sind hier nicht in der Wüste." Das wird flugs als amerikanischer Populismus abgetan. Den eigenen Populismus und Antiamerikanismus bemerkt man schon lange nicht mehr in Grünheide und beim ZDF.

Die deutschen Behörden fühlen sich von Tesla getrieben. Sie fordern mehr Zeit für ihre Arbeit. Diesen Druck und das Tempo sind sie in Deutschland einfach nicht gewohnt. Weil sie endlich mal zügig arbeiten müssen? Hierzulande dauern solche Projekte Jahre. 

Es gibt viele Dinge, die man an Tesla kritisieren kann. Es wird von einer Frau berichtet, die einen Fehler in der Produktion bemerkt hatte. Sie wandte sich besorgt an ihre Chefs - und wurde gefeuert. Wer so mit Mitarbeitern umgeht, will natürlich auch keinen Betriebsrat. Die Unternehmenskultur gilt insgesamt als äußerst fragwürdig. Ein Manager wurde inzwischen entlassen, weil ihm in den USA Fehlverhalten gegenüber Frauen vorgeworfen wurde. 

1,2 Milliarden Euro Fördergelder

Auch in Sachen Steuergeld und EU-Fördergelder agiert Tesla schillernd. 1,2 Milliarden Euro sollen laut der Nachrichtenagentur Reuters geflossen sein. Dafür zahlt Musk aber nur einen kleinen Betrag an das deutsche Finanzamt. 

Doch bei Geschwindigkeit, datengetriebenen Geschäftsmodellen, visionären Technologien machen uns die Amerikaner immer noch vor, wie die Zukunft der Wirtschaft aussieht. In Deutschland und im deutschen Fernsehen geht es immer noch nach der einfachen Formel: Kollege kommt gleich, auf der Terrasse nur Kännchen, alles soll so bleiben, wie es ist – da könnte ja jeder kommen!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker