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Beweismittel für Polizei: Warum Chinas Prostituierte sich vor Kondomen fürchten

In China ist Prostitution verboten. Dennoch verteilt die Regierung Kondome an die Sexarbeiterinnen. Doch sie nutzen sie nicht oft - denn sie dienen der Polizei als Beweis für ihre Tätigkeit.

Prostituierte in China: Furcht vor Kondomen

Die Prostituierte zieht sich an, der Freier verschränkt die Arme vor dem Kopf: Eine Razzia in einem Bordell in der Provinz Guangdong. 

In China gibt es sechs Übel der Gesellschaft: Handel von Frauen und Kinder, Glücksspiel, Aberglauben, Drogenkonsum - und käuflicher Sex. Dies mag einer der Gründe sein, warum Prostitution in China offiziell verboten ist. Dennoch: Laut den Vereinten Nationen gibt es in China zwischen vier und sechs Millionen Frauen, die Geld mit Sex verdienen, berichtet die "NZZ".

Die chinesische Regierung weiß natürlich von den Sexarbeiterinnen und verteilt daher kostenlos Kondome, um die Ansteckung von sexuell übertragbaren Krankheiten einzudämmen. Offenbar stecken sich schon Schüler und Studenten mit Geschlechtskrankheiten wie Aids, Syphilis oder Gonorrhö (besser bekannt als Tripper) an. Bis zu zehn Prozent der Prostituierten in China soll an Aids erkrankt sein. Geschätzt sollen in China fast 600.000 HIV-positiv sein. Stecken sich die meisten Chinesen noch vor einigen Jahren noch mit verunreinigte Blutkonserven und Drogenkonsum an, ist Sex inzwischen das größte Risiko, um zu erkranken.

Kondome als Beweismittel

Doch die Prostituierten scheinen bei den Gratis-Kondomen nicht allzu häufig zuzugreifen. Das Problem: Offiziell ist ihr Gewerbe illegal. Bei Razzien im Rotlicht-Milieu gelten Kondome als Beweismittel. Dabei reicht es, wenn Kondome gefunden werden - die Polizei muss Freier und Sexarbeiterin gar nicht in flagranti erwischen. Ein Kondom als Fundstück reiche schon aus, so die "NZZ". Prostituierten drohen in China Geld- oder kurze Haftstrafen. Werden sie mehrmals festgenommen, können sie bis zu zwei Jahre hinter Gittern landen.

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Polizeikontrollen der Prostituierten sind kontraproduktiv

Das Problem: Diejenigen, die bereits von der Polizei aufgegriffen wurden, lehnen Kondome deutlich stärker ab, als Sexarbeiterinnen, die noch nicht mit der Behörde in Berührung gekommen ist. das ergab eine Studie von Asia Catalyst, die 517 Frauen, Männer und Transsexuelle, die mit Prostitution ihr Geld verdienen, befragt hat. Jeder zweite Befragte gab an, nach Verhören mit der Polizei auf Kondome in der Zukunft zu verzichten. Wer noch nie verhört wurde, greift zum Kondom, immerhin 70 Prozent der Befragten gaben dies an, so die "NZZ". Dazu kommt, dass jeder Zweite, der bereits von der Polizei festgenommen wurde, über Schläge und Erniedrigungen in Polizeigewahrsam berichtet. 

kg