Konflikte Konzerne merken in USA nichts von Verstimmung


Business as usual: Trotz der vielen Schlagzeilen hat der politische Dauerstreit zwischen Berlin und Washington für deutsche Firmen noch keine negativen Folgen gehabt.

Das Jahr 2003 begann für Mercedes-Benz in den USA ausgesprochen gut. 15.650 Fahrzeuge mit Stern wurden im Januar in den Vereinigten Staaten verkauft - so viele wie noch nie zuvor zum Start ins neue Jahr. Die schwäbischen Autobauer sehen auch keine Veranlassung, an den Prognosen für das US-Geschäft irgendetwas zu ändern. Trotz der vielen Schlagzeilen hat der politische Dauerstreit zwischen Berlin und Washington für deutsche Firmen noch keine negativen Folgen gehabt. Für die Wirtschaft gilt bislang: Business as usual.

BDI in Sorge

Sorgen gibt es durchaus. Vor allem auf Seiten der regierungskritischen Verbände wird befürchtet, dass die Probleme im politischen Bereich auf den Handel durchschlagen könnten. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verwies am Dienstag darauf, dass es mit kaum einem anderen Land so enge Wirtschaftsbeziehungen gibt. Zehn Prozent der deutschen Exporte gingen vergangenes Jahr in die USA. Nur in Frankreich gab es noch mehr Abnehmer für Produkte «made in Germany». Mehr als eine Million Beschäftigte sind für deutsche Firmen in den USA tätig.

Auftragsschwund befürchtet

Am deutlichsten formuliert die Bedenken bislang der Groß- und Außenhandelsverband BGA. «Immer mehr deutsche Unternehmen verspüren bereits die Verhärtung der Beziehungen», warnt Präsident Anton Börner. Der BGA fürchtet durch politisch bedingten Auftragsschwund massiven Schaden für die Volkswirtschaft - im schlimmsten Fall 0,3 Prozent weniger Wachstum in diesem Jahr. Konkrete Hinweise, dass deutsche Firmen bereits zu Schaden kamen, hat der Verband aber nicht.

Niemand klagt öffentlich

Als einziges Beispiel galt bislang der mittelständische Schneidemaschinen-Hersteller Treif aus dem Westerwald, dem das US-Verteidigungsministerium im vergangenen Herbst einen 900.000-Dollar- Auftrag entzog - angeblich aus politischen Gründen. Heute heißt es bei Treif jedoch nur knapp: «Der Verdacht hat sich nicht bestätigt.» Auch sonst findet sich keine deutsche Firma, die wegen der Irak-Debatte zwischen Berlin und Washington öffentlich über Schwierigkeiten klagt.

"Allenfalls langfristige Auswirkungen"

Beim Industriegase- und Gabelstablerhersteller Linde zum Beispiel werden «allenfalls langfristig» Auswirkungen erwartet. Der Pharmakonzern Schering setzt unverändert darauf, dass er auf dem weltweit wichtigsten Pharmamarkt kräftig zulegen wird - warum auch sollte ein Patient auf Medikamente verzichten, weil es Schwierigkeiten auf Regierungsebene gibt?

Einige äußern sich nicht

Auch der Sportartikel-Konzern Adidas mit einem US-Umsatz von 1,8 Milliarden Euro (2001) sieht keinen Grund zur Besorgnis. «Wir werden dort nicht als deutsche Marke wahrgenommen», sagt Firmensprecher Jan Runau. «Außerdem dürfte die Weltpolitik beim Turnschuhkauf keine wesentliche Rolle spielen.» Siemens will sich wie mehrere andere Konzerne zu dem Thema überhaupt nicht mehr äußern. In der Regel heißt es bei den Firmen: «Politik ist Politik, und Geschäft ist Geschäft.»

Leichte Nervosität in Autobranche

Am schnellsten hätte vermutlich die Autoindustrie zu leiden, falls sich Amerikaner beim Kauf deutscher Produkte tatsächlich zurückhalten sollten: Audi, Porsche und Mercedes gelten als Musterbeispiele deutscher Ingenieurskunst. Aber außer einer leichten Nervosität ist in den Konzernzentralen die Stimmung gut.

Trotzdem Rekordzahlen

«Im Moment sind bei uns keinerlei Auswirkungen zu spüren», sagt DaimlerChrysler-Sprecher Thomas Fröhlich. Die Rekordzahlen belegen dies. Der Konkurrent Porsche, der fast 40 Prozent seiner Sportwagen in den USA absetzt, ist ebenfalls zuversichtlich. «Man weiß ja nie, was passiert», sagt Sprecher Christian Dau. «Aber im Unterschied zu Deutschland spielt diese ganze Debatte in den USA nur in Washington eine Rolle, und auch dort nur in den politischen Zirkeln.»

Wirtschaftsforscher sind optimistisch

Auch die Wissenschaft meint, dass der Ärger zwischen den Regierungen keine größeren Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird. «Natürlich kann es auch im internationalen Bereich Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und politischer Stimmung geben», sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. «Aber das kann allenfalls für ein paar Wochen etwas ausmachen. Nachhaltig verändern wird sich nichts.»


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