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Konjunktur: Export-Dämpfer kein Grund zur Sorge

Die deutschen Exporteure haben zum Frühjahrsauftakt einen leichten Dämpfer erhalten. Dennoch gehen Fachleute davon aus, dass der Außenhandel die Wirtschaft bis zum Jahresende ankurbelt.

Die deutsche Exportwirtschaft hat im April einen leichten Dämpfer erhalten. Die Firmen lieferten 5,9 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Der März hatte den Unternehmen allerdings mit 10,8 Prozent das stärkste monatliche Wachstum seit Juli 1992 beschert.

Deshalb hatten Fachleute ohnehin einen Rückgang für das April-Geschäft prognostiziert, allerdings nur ein Minus um 2,6 Prozent. "Im Augenblick muss man sich keine Sorgen um den deutschen Export machen", sagte Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees von der Unicredit-Bank.

"Wirtschaft in fabelhaftem Zustand"

Auch Simon Junker von der Commerzbank hält den Aufwärtstrend für intakt. Er geht davon aus, dass der Außenhandel eine Säule der Erholung bleibt. "Die deutsche Wirtschaft ist in einem fabelhaften Zustand", betonte Junker. "Das Wachstum könnte besser ausfallen als bislang angenommen, und daran werden die negativen Zahlen nichts ändern."

Die meisten Experten sagen der Wirtschaft nach dem Rezessionsjahr 2009 ein Anziehen um rund zwei Prozent in diesem Jahr voraus. "Gegen Jahresende wird der Gegenwind für die Exporteure trotz eines anhaltend schwachen Euro zunehmen", sagte Rees. Denn dann hätten die Unternehmen weltweit ihre Lagerbestände im Zuge der Erholung wieder auf Normalmaß aufgefüllt. "Nächstes Jahr belastet dann das Synchron-Sparen die deutschen Exporteure."

Bis dahin dürften die Geschäfte vorerst rund laufen. Im April verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 75,3 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 19,2 Prozent mehr als im April 2009. Allerdings waren die Exporte vor einem Jahr mit fast 30 Prozent auch sehr kräftig eingebrochen. Überdurchschnittlich stiegen die Exporte außerhalb Europas: Hier gab es ein Plus von 28,6 Prozent, während die Ausfuhren in die EU-Länder um 13,7 Prozent kletterten.

Importe steigen weniger stark

Die Einfuhren erhöhten sich binnen Jahresfrist um 15,7 Prozent auf 61,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vormonat gab es ein Minus von 7,3 Prozent. Analysten hatten hier einen Rückgang um 3,3 Prozent erwartet. Der bereinigte Handelsbilanzüberschuss lag bei 13,1 Milliarden Euro.

Im Krisenjahr 2009 hatten die Exporteure mit rund 18 Prozent den schwersten Umsatzeinbruch seit Gründung der Bundesrepublik erlitten. In diesem Jahr peilt der Branchenverband BGA ein Plus von neun Prozent an, weil sich der Welthandel wegen niedriger Zinsen und riesiger Konjunkturprogramme wieder gefangen hat. Das vor der Krise erreichte Niveau werde aber erst 2013 wieder erreicht, lautet die Prognose.

Reuters / Reuters