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Konjunktur in Deutschland: Das Wachstum schwächt sich ab

Gute Aussichten für 2010: Gleich zwei Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für dieses Jahr ein sattes Wachstum von über drei Prozent. Ausruhen kann sich darauf niemand: 2011 soll die deutsche Wirtschaft deutlich langsamer wachsen.

Wirtschaftsforscher sagen für 2010 ein kräftiges Wachstum vorher und für 2011 eine Abschwächung. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erwartet ein Wachstum von 3,5 Prozent in diesem Jahr. Für das kommende Jahr prognostiziert es nur noch 1,9 Prozent. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht für 2010 von einem Wachstum von gut 3,25 Prozent aus. Für 2011 rechnet es mit rund 2 Prozent. Beide Institute revidierten ihre bisherigen Erwartungen für 2010 kräftig nach oben.

IMK-Chef Gustav Horn erklärte am Montag in Berlin, die Arbeitslosigkeit werde im Jahresdurchschnitt 2011 unter drei Millionen fallen. Horn sagte: "Wir sind auf einem guten Kurs." Er könne mit "großer Zufriedenheit" zurückblicken, schaue aber mit "leicht angespannter Besorgnis" nach vorn. Er befürchte, dass die EU-Staaten durch Sparanstrengungen "zu schnell auf die Bremse treten" könnten.

Deutschland habe zwar 60 Prozent des Einbruchs wieder aufgeholt, aber immer noch 40 Prozent vor sich. 0,5 Prozentpunkte des Wachstums für 2010 beruhten auf rechnerischen Effekten, weil das Statistische Bundesamt seine Daten für die Vergangenheit revidiert habe.

"Am Rande der Depression"

Horn sagte, er erwarte für 2011 und 2012 eine Entwicklung in Form eines Wurzelzeichens: Nach einer schnellen Erholung zu Beginn werde sich die Entwicklung des Wachstums abflachen. Die USA seien auf längere Zeit nicht mehr der "Weltstaubsauger der Nachfrage". Private und Staat müssten sich dort einschränken. China wolle selber Export-Überschüsse erwirtschaften, könne also die US-Rolle nicht übernehmen.

Manche EU-Länder wie Griechenland, Irland und vielleicht auch Großbritannien schließlich seien "am Rande der Depression". 2011 liefen die Konjunkturprogramme in Europa nicht nur aus, es würden viele Sparprogramme gefahren, so in Frankreich, Italien und Deutschland. Dies werde die Wirtschaft dämpfen.

Der Export treibt das Wachstum

IW-Chef Michael Hüther sagte in Berlin, der Aufschwung gehe zu einem großen Teil vom Export aus. Er wachse 2010 um 16,75 Prozent, die Importe nur um 15,5 Prozent. Damit seien die Rekordniveaus von vor der Krise fast wieder erreicht. Hüther sprach von einer "sehr starken und sehr breit angelegten Erholung". Er richte einen "zuversichtlichen Blick nach vorne".

Kräftig zulegen könnten 2010 auch die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen, fügte Hüther hinzu. Sie sollen 2010 um 8,25 Prozent wachsen, im kommenden Jahr nur noch um 6,5 Prozent. Das habe er so nicht erwartet. Der Ausgaben der privaten Verbraucher dagegen dürften 2010 real stagnieren. 2011 würden sie preisbereinigt um ein Prozent zulegen. Hüther sagte, dies entspreche dem klassischen Muster der Konjunktur in Deutschland: erst der Export, dann die Investitionen und schließlich der Konsum.

mm/AP / AP