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Konjunktur in Deutschland: Deutsche Bank sieht schwarz

Unter den Schwarzmalern zeichnet er das düsterste Bild: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, rechnet in diesem Jahr mit einem weitaus drastischeren Konjunktureinbruch als bisher prognostiziert. Er erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um mehr als fünf Prozent - und es könnte sogar noch schlimmer kommen.

Der Absturz der deutschen Wirtschaft wird nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter in diesem Jahr noch drastischer ausfallen als von ihm zunächst befürchtet. Statt minus vier Prozent geht Walter nun von mindestens fünf Prozent Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus. Der "Bild"-Zeitung sagte Walter: "Die deutsche Wirtschaft wird nur dann 2009 um lediglich fünf Prozent schrumpfen, falls wir ab Sommer einen richtigen Aufschwung haben. Aber es ist nicht auszuschließen, dass dieser Aufschwung ausbleibt. Deshalb ist auch ein höheres Minus nicht mehr auszuschließen."

Zwar befürchten auch andere Volkswirte in diesem Jahr den schwersten Konjunktureinbruch in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg, doch sind sie weniger pessimistisch als Walter: Zwischen minus zwei und minus drei Prozent bewegen sich derzeit viele Prognosen. Walter hatte im Dezember einen BIP-Rückgang um bis zu vier Prozent für 2009 vorhergesagt.

Die deutsche Wirtschaft steckt derzeit in einer tiefen Rezession. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes schrumpfte das BIP im vierten Quartal 2008 um 2,1 Prozent. Das war der dritte Rückgang der Wirtschaftsleistung gegenüber einem Vorquartal in Folge und der größte seit der Wiedervereinigung.

Walter warf zudem Unternehmen und Politikern vor, die derzeitige Lage schönzureden. "Unternehmen und Politik ignorieren die Wirklichkeit. Alle bisherigen Konjunkturprognosen werden bis Ostern überholt sein", fügte der Chefökonom hinzu.

Angesichts der dramatischen Entwicklung forderte der Chefvolkswirt ein global abgestimmtes Programm, um die Konjunktur wieder anzuschieben. "Wir müssen uns weltweit zusammensetzen, am besten unter Führung von US-Präsident Obama", sagte Walter. Es müsse ein koordiniertes Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht werden, das "zu mehr privaten und staatlichen Ausgaben führt".

Die Bundesregierung hält dagegen noch an ihrer Prognose fest, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 2,25 Prozent schrumpfen dürfte. "Es gibt im Moment keine belastbaren Hinweise darauf, dass diese Prognose revidiert oder korrigiert werden müsste", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. Auf der Grundlage unter anderem der Ergebnisse des ersten Quartals werde die Bundesregierung ihre Prognose Ende April prüfen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters