Peer Steinbrück "Größte Krise der letzten Jahrzehnte"


Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat angesichts der Immobilienkrise in den USA eine engere Zusammenarbeit zwischen Notenbanken, Politik und Banken gefordert. Vor zu großer Panik warnte er jedoch - die deutsche Wirtschaft sei robuster als die amerikanische.

Nach Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann fordert nun auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) angesichts der Finanzmarktkrise einen engen Schulterschluss: "Wir in Deutschland sind sehr stark darauf angewiesen, die gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Bundesbank, den jeweiligen Bankenverbänden und Bankeninstituten so dicht zu halten, dass wir die Folgewirkungen minimieren können", sagte der SPD-Politiker. "Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten zu tun." Dass sie auch auf Deutschland ausstrahle, sei unverkennbar. "Auswirkungen auf die Realwirtschaft können nicht verleugnet werden." Die deutsche Wirtschaft habe aber die Chance, besser durch die Krise zu kommen als die amerikanische.

An den Aktienmärkten hat sich die Situation auch wieder etwas beruhigt: Der Dax legte um rund 1,7 Prozent auf rund 6290 Zähler zu. Auch der Mdax und TecDax stiegen um über 1,5 Prozent.

"Ich bin froh, dass es am Wochenende in den USA zu Maßnahmen gekommen ist, um diese krisenhaften Zuspitzungen einzudämmen", sagte Steinbrück. Die notleidende US-Investmentbank Bear Stearns war von ihrem Konkurrenten JP Morgan mit Hilfe der US-Notenbank FED übernommen und damit vor einem Zusammenbruch gerettet worden. Die Krise hat nach Steinbrücks Worten ihren Ausgangspunkt zwar in den USA genommen, inzwischen aber auch andere Teile der Welt in Mitleidenschaft gezogen.

"Deutsche Wirtschaft robuster als amerikanische"

Allzu große Ängste vor den Auswirkungen der Krise auf Deutschland versuchte Steinbrück zu dämpfen. Er sei aber weit davon entfernt, die Vorgänge zu verharmlosen. "Die richtige Nachricht ist, dass die deutsche Volkswirtschaft robuster aufgestellt ist als die amerikanische", sagte er. Nach wie vor seien die ökonomischen Fundamentaldaten in Deutschland in Ordnung. Daher bestehe Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft "diese krisenhafte Zuspitzung" zumindest besser überstehe als die amerikanische. Immerhin habe das bisherige Krisenmanagement in Kooperation von Politik, Bundesbank und Finanzwirtschaft gut funktioniert. Steinbrück äußerte sich erstmals nach den Turbulenzen Ende vergangener und Anfang dieser Woche zur Finanzkrise und ihren Folgen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte zuvor geäußert, er glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Ackermann rief zu gemeinsamen Aktionen von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen in die globalen Finanzmärkte wiederherzustellen.

Düstere Aussichten

Nach Auffassung des Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Norbert Walter wird die Finanzkrise bis weit ins Jahr 2009 anhalten. "Vor Ende 2009 werden die Turbulenzen nicht zu Ende sein", sagte Walter den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". "Wir brauchen die Neuordnung und eine Neubesinnung auch bei den Regulatoren der Finanzmärkte", fügte Walter hinzu. Die Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise sei "verfrüht" gewesen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schließt zudem eine Ausweitung der weltweiten Finanzmarktkrise bis zu einem Gesamtschaden von rund 800 Milliarden Dollar nicht aus. Derzeit befinde sich das Finanzsystem in einer außerordentlichen Phase der Unsicherheit, sagte der für den Westen zuständige IWF-Direktor Anoop Singh auf einer Konferenz in Brasilien. Die Wahrscheinlichkeit "weiterer Schocks" sei sehr hoch.

Einige Analysten gingen sogar davon aus, dass noch weit mehr als 800 Milliarden Dollar aus den Büchern der Finanzbranche getilgt werden würden, sagte Singh. Dabei seien zahlreiche Bereiche betroffen - Banken, Versicherer, Hedge-Fonds und Pensionsfonds.

Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker