Konjunktur SARS trifft deutsche Firmen in China


Die lebensgefährliche Lungenkrankheit SARS trifft die chinesische Wirtschaft hart. Auch die Aktivitäten deutscher Firmen in China werden erheblich beeinträchtigt.

Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking, Klaus Grimm, sagte, die langfristigen Auswirkungen seien noch gar nicht abzuschätzen, da der Höhepunkt der Krankheit noch nicht erreicht sei: "Deswegen hängen wir mit unseren Geschäftsplänen in der Luft." Reisetätigkeiten werden eingestellt, Konferenzen und größere Veranstaltungen abgesagt. Büros werden vorübergehend geschlossen, Mitarbeiter nach Hause geschickt.

Mindestens ein Quartal betroffen

Analysten von Morgan Stanley rechnen damit, dass das Virus die chinesische Wirtschaft mindestens ein Quartal, möglicherweise auch zwei Quartale beeinträchtigen wird. Die negativen Auswirkungen auf den Handel auch in Asien "können schwerwiegend sein", da China mehr als die Hälfte der Exporte der anderen Volkswirtschaften in der Region aufnehme. Genannt werden vor allem Taiwan, Singapur und Südkorea. Goldmann Sachs reduziert seine Wachstumserwartung für China um einen halben Prozentpunkt auf sieben Prozent. Doch rechnen Wirtschaftsforscher der Peking Universität gar mit einem Rückgang um ein bis zwei Prozentpunkte und sogar Nullwachstum für Peking.

'Ernsthafte' Auswirkungen auf das Wachstum

Wenn die Krankheit lange andauert und die Unsicherheiten zu einem Rückgang der Auslandsinvestitionen führen sollten, geht auch Goldman Sachs von "ernsthafteren" Auswirkungen auf das Wachstum aus. Eine Abnahme um ein Drittel würde das Wachstum um zusätzliche 2,5 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent abschwächen. Die Hälfte der deutschen Unternehmen in Peking findet es nach einer Umfrage der deutschen Handelskammer "noch zu früh", um Vorhersagen für ihr Geschäft zu wagen. 18 Prozent rechnen zumindest aber schon zum Wochenanfang mit "schweren", weitere 28 Prozent mit "mäßigen" Beeinträchtigungen.

Noch keine Produktionsausfälle

82 Prozent haben Gesichtsmasken an Angestellte verteilt. Ähnlich viele haben besondere Reinigungsmaßnahmen veranlasst. Knapp die Hälfte bietet Beschäftigten flexible Arbeitszeiten an. Ein Drittel lässt Angestellte von zu Hause aus arbeiten. Konkrete Pläne und Angebote für den Abzug deutscher Mitarbeiter haben fünf Prozent, zehn Prozent für Familien. Mehr als ein Drittel schließt eine Rückreise in der Zukunft aber nicht aus. Ein Fünftel hat bereits chinesische Mitarbeiter vorübergehend nach Hause geschickt. Produktionsausfälle wurden vorerst aber noch nicht berichtet.

Große Firmen haben Notfallpläne

Große Firmen wie Siemens und BASF haben Notfallpläne entwickelt. Bei dem Ludwigshafener Chemiekonzern, der Milliardeninvestitionen in Standorte in Nanjing und Schanghai steckt, können die Büros in Schanghai auch die Funktionen von Peking übernehmen, wenn nötig. Unberechenbarkeiten drohen den Firmen durch plötzliche Quarantänemaßnahmen, wenn irgendwo ein Fall mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) entdeckt wird.

Trotzdem unkalkulierbare Gefahren

Bei Reisen in China müssen chinesische und deutsche Mitarbeiter zunehmend mit Zwangsquarantäne von mindestens zehn Tagen rechnen. Auch besteht die unkalkulierbare Gefahr, unterwegs eventuell mit Fieber oder gewöhnlicher Erkältung als SARS-Verdachtsfall eingestuft zu werden und zwangsweise in rückständigen medizinischen Einrichtungen zu landen, wo die Ansteckungsgefahr möglicherweise noch viel größer ist.


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