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Konjunkturpakete: Betriebe misstrauen der Staatshilfe

Mit ihrer Milliardenspritze will die Bundesregierung die traditionelle Lokomotive Bauwirtschaft in Fahrt bringen - damit andere Branchen folgen. Doch ob die Konjunkturspritze wirklich ihren Zweck erfüllt, ist unter Handwerksmeistern und Bauunternehmern umstritten.

Von Roman Heflik

Nee, knurrt Wolfgang Weickert, an sein Geld komme erstmal keiner ran. "Ich werde doch jetzt nichts investieren nur wegen irgendwelcher Konjunkturpakete! Dann könnte ich ja genauso gut Euros aus dem Fenster werfen und schauen, wie viele ich davon wieder finde!" Der 60-jährige Weickert ist Geschäftsführer der Helmuth Reese GmbH, einem kleinem Klempner- und Sanitärbetrieb im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Seit 51 Jahren gibt es die Firma Reese, sie hat mal gute und mal schlechte Zeiten erlebt, und bald drohen wohl wieder eher schlechte Zeiten, wenn man den Prognosen glauben darf. Reese hat 13 Mitarbeiter, die meisten deutschen Handwerksbetriebe haben ähnlich viele. Zugleich ist das eine kritische Größe: Bricht das Geschäft ein, haben Unternehmen wie Reese nur wenig Chancen, sich durch Entlassungen Luft zum Überleben zu verschaffen. Die Pleite ist immer ganz nah. Um das zu verhindern, hat die Bundesregierung Ende vergangenen Jahres und in dieser Woche zwei Konjunkturpakete beschlossen. Unter anderem werden Gebäudesanierungen künftig stärker gefördert, Straßenbau-Projekte vorgezogen und Handwerkerleistungen steuerlich leichter absetzbar gemacht.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund begrüßte das Konjunkturpaket II als "Hoffnungssignal" für Städte und Gemeinden, und Präsidiumsmitglied Gerd Landsberg lobte: "Wir werden damit in die Lage versetzt, dem Handwerk vor Ort die notwendigen Aufträge zu erteilen. Das schafft zusätzliche Nachfrage." Und der Deutschen Handwerkszeitung sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler: "Die Große Koalition hat Handlungsfähigkeit bewiesen. Die Maßnahmen des jetzt beschlossenen Konjunkturpaketes II sind dazu geeignet, den Binnenmarkt zu stärken."

Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Noch laufen die Geschäfte von Wolfgang Weickert ganz gut, doch von Freude über die Konjunkturspritze ist bei dem Hanseaten nicht viel zu spüren. Gerade Gebäudesanierungen seien mit hohem Aufwand und Kosten verbunden, deswegen rechne er trotz Förderung mit keiner Auftragswelle durch die Hausbesitzer. Viel wichtiger als solche Hilfen sei es für seinen Betrieb, möglichst viel Eigenkapital anzusammeln. "Ich bin froh, wenn wir mit unseren Mitteln auskommen. Versuchen Sie mal, bei der Bank einen Kredit über 30.000 Euro zu kriegen! Dann kriegen Sie als Handwerksbetrieb Probleme."

Soll heißen: Weickert wird weder neue Geräte kaufen, noch neues Personal einstellen - Hilfspakete hin oder her. Auch Ralf Manke ist skeptisch. Der Diplomingenieur und seine 26 Mitarbeiter bauen unter anderem Tankstellen und reparieren Siele und Kanäle. "Es ist schon sinnvoll, Gelder in die Instandsetzung zu stecken. Trotzdem glaube ich, dass 50 Milliarden Euro auf ganz Deutschland verteilt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wären." Die Auftraggeber seien durch die öffentliche Panikmache einfach zu sehr verschreckt worden, kritisiert Manke.

So ist das überall in der Branche: Noch sind die meisten Auftragsbücher voll, doch aus Angst vor den Problemen, die Mitte des Jahres erwartet werden, stoppen die Unternehmen schon jetzt Anschaffungen – die Krise schleicht sich bereits in die Unternehmen ein, bislang noch ohne spektakuläre Massenentlassungen. Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, kennt diese diffuse Angst bei den Unternehmen. Er leitet selbst die Gebäudereinigungsfirma GRG Services Group Berlin, bei der 3000 Menschen angestellt sind. "Eigentlich ist die Lage gerade gut, aber zur Sicherheit haben wir unter anderem den Ausbau einer Halle für unsere Schneeräumfahrzeuge verschoben."

Baubranche braucht die Finanzspritze

Anders als der Hamburger Weickert ist Schwarz jedoch zuversichtlich, dass eine Kombination aus Fördergeldern sowie niedrigeren Steuern und Abgaben helfen könnte. Das glaubt auch Wolf Burkhard Wenkel, der Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, zu der rund 900 Betriebe gehören: "Das Bauhauptgewerbe wird von einigen Maßnahmen profitieren. Und unser Gewerbe hat ja traditionell in Deutschland die Rolle einer Konjunkturlokomotive: Erfahrungsgemäß löst ein Euro Bau-Investitionen Folge-Investitionen von zwei bis fünf Euro aus."

Auf diesen Schwung warten in der Baubranche vor allem Betriebe, die im Straßen- und Tiefbau direkte Empfänger öffentlicher Mittel wären. "Wir hoffen wirklich sehr auf diese Förderdroge", sagt ein Hamburger Bauunternehmer, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Die Auftragslage in den letzten Monaten hat sich deutlich verschlechtert." Zur Sicherheit hat er erstmal Investitionen in neue Baugeräte in Höhe von 200.000 Euro zurückgestellt. Wenn aber jetzt öffentliche Aufträge hereinkämen, komme das Geschäft schnell wieder in Schwung, glaubt der Unternehmer. "Von der Beschlussfassung bis zur Baumaßnahme dauert es nur etwa vier Monate – wenn es sich um Instandsetzungsarbeiten handelt. Großprojekte wie neue Autobahnen dauern natürlich viel länger, die würden uns nicht rechtzeitig helfen."