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Konsumklima-Index sinkt: Euro-Krise vermiest Verbraucherstimmung

Die Euro-Krise hat das Konsumklima in Deutschland erheblich getrübt. Die Verbraucher zweifeln an der Konjunkturerholung, fürchten eine anziehende Inflation und Steuererhöhungen.

Die Schuldenkrise in Europa hat der Verbraucherstimmung in Deutschland einen deutlichen Dämpfer verpasst. Das Konsumklima verschlechterte sich im Mai zum vierten Mal in Folge, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch mitteilte. Er sank für Juni auf 3,5 Punkte nach revidiert 3,7 Punkten im Mai. Wegen der Diskussionen um die Stabilität des Euro und das Rettungspaket für Griechenland sähen die Menschen die weitere konjunkturelle Erholung hierzulande gefährdet, erklärten die Nürnberger Marktforscher.

"Die Bundesbürger befürchten, dass die Rettungspakete für Griechenland und der schwächelnde Euro die deutsche Wirtschaft in ihrer Erholung beeinträchtigen könnten", erläuterte die GfK. Die aktuellen Ereignisse überlagerten sogar die positiven Konjunkturimpulse, die vom anziehenden Export und dem robusten Arbeitsmarkt ausgingen.

"Dieser Monat zeigt, dass Konsum im Kopf beginnt", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Trotz positiver harter Fakten wie einer geringen Inflation und einem robusten Arbeitsmarkt seien die Menschen verunsichert, weil sie nur die negativen Schlagzeilen im Kopf hätten. "Psychologie überlagert die Fakten", erklärt der GfK-Chef.

Seiner Einschätzung nach ist es nun Aufgabe der Bundesregierung, diese Entwicklung wieder umzukehren. Dazu müsse sie Farbe bekennen und konkrete Einsparmaßnahmen benennen, statt diese in Talkshows zu diskutieren. "Ich vermisse auch das klare Bekenntnis zur Euro-Zone", sagte Wübbenhorst weiter.

Aussichten prinzipiell gut

Zudem rechnen viele Verbraucher offenbar damit, dass die Rettungsbemühungen auch die Verschuldung der öffentlichen Kassen weiter in die Höhe treiben wird. Sie erwarten deshalb laut GfK größere Einsparungen oder gar Steuererhöhungen, weshalb auch die Einkommensaussichten spürbar zurückgingen. Der entsprechende Indikator hatte erst im Vormonat den höchsten Wert seit 2001 erreicht.

Bei der Anschaffungsneigung setzte sich die leicht rückläufige Tendenz fort. Die Konsumenten erwarten der GfK zufolge, dass die Inflation steigt und die Kaufkraft entsprechend sinkt - dies hat traditionell Auswirkungen auf die Bereitschaft, Geld auszugeben. Dennoch seien die Aussichten für den Konsum im Prinzip nicht schlecht, betonte die GfK. Voraussetzung sei, dass die Diskussionen über die Stabilität des Euro demnächst verstummten.

Für die aktuelle Studie befragten die GfK-Forscher in den ersten beiden Maiwochen rund 2.000 Verbraucher. Die Ergebnisse der nächsten Studie werden am 23. Juni veröffentlicht.

APN/DPA / DPA