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Kreditklemme: Banken geben Firmen kaum noch Geld

Für deutsche Unternehmen wird es immer schwieriger, sich Geld bei Banken zu leihen. Fast 40 Prozent der Firmen klagen über eine restriktive Vergabe von Darlehen, berichtet das Ifo-Institut. Auch in den anderen Euro-Ländern wächst die Sorge vor einer Kreditklemme - mit gefährlichen Folgen für die ohnehin schwächelnde Konjunktur.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland klagen über eine restriktive Kreditvergabe der Banken. Wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Befragung des Münchner Ifo-Institutes hervorgeht, ist ihr Anteil im Dezember auf 39,9 Prozent gestiegen. Im November waren es 35,2 Prozent. Die Tendenz zu einer restriktiveren Kreditvergabe beschleunige sich, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: "Deutschland nähert sich der Kreditklemme."

Das Bauhauptgewerbe, der Handel und das verarbeitende Gewerbe beurteilten die Kreditvergabe der Banken als deutlich strenger als noch im Vormonat. Besonders schwer fiel es dem Bauhauptgewerbe, an Geld zu kommen. Hier sprachen 45,9 Prozent von Problemen bei der Kreditvergabe. Im Handel waren es dagegen nur 37,3 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe 40,1 Prozent.

Betroffen sind vor allem größere Firmen. Fast die Hälfte der Großunternehmen in der Industrie klagt demnach über eine zurückhaltende Vergabe von Darlehen. Bei den mittleren und kleinen Firmen beträgt der entsprechende Anteil nur etwas mehr als ein Drittel. "Großunternehmen stoßen heute offenbar am ehesten auf Kredithürden, weil sie auf die von der Finanzkrise besonders betroffenen großen Privatbanken und Landesbanken angewiesen sind", erklärte Sinn.

In der Vergangenheit war die Situation üblicherweise umgekehrt: Große Unternehmen kamen leicht an Geld, kleineren fiel dies schwerer. Für seine monatliche Erhebung "Die Kredithürde" hat das Ifo-Institut Aussagen von rund 4.000 Unternehmen verarbeitet.

Warnzeichen für die Konjunktur

Auch in der Euro-Zone nimmt die Sorge vor einer Kreditklemme zu. Die Kreditvergabe der Banken und Sparkassen an Unternehmen und Verbraucher wuchs im November so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr, wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte. Sie erhöhte sich nur noch um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Oktober waren es noch 7,8 Prozent.

Experten sehen darin ein Warnzeichen für die Konjunktur. "Die strengere Kreditvergabe stellt eine wachsende Bedrohung für die ohnehin schon kämpfenden Volkswirtschaften dar", sagte ein Analyst. Auch Ifo-Chef Sinn warnt: "Eine Kreditklemme würde die Schrumpfung der Wirtschaft beschleunigen." Die Finanzkrise hat bei vielen Finanzinstituten milliardenschwere Löcher in die Bilanz gerissen. Um weiteren Verlusten und Kreditausfällen vorzubeugen, sind sie zurückhaltender bei der Geldvergabe geworden. Viele Unternehmen sind aber auf Darlehen angewiesen, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten oder Investitionen finanzieren zu können.

Als Gegenmaßnahme schwebt Sinn eine Verpflichtung der Banken vor, Gelder aus dem Rettungsschirm des Bundes anzunehmen, um damit ihr Eigenkapital zu stärken. Dafür stünden 80 Milliarden Euro bereit. Damit könne die Kreditklemme verhindert werden. Das mangelnde Eigenkapital sei das Hauptproblem, denn es beschränke die Menge an Krediten, die die Banken vergeben dürften.

Insgesamt 15 deutsche Banken haben bislang im Zuge der Finanzkrise staatliche Unterstützung beantragt. Dies schließe sowohl Eigenkapitalhilfen als auch staatliche Garantien ein, sagte eine Sprecherin des Sonderfonds Finanzmarkt-Stabilisierung. Mit den Mitteln aus dem Sonderfonds sollen angeschlagene Institute stabilisiert werden. Im Gegenzug wird erwartet, dass die Banken die Versorgung der Firmen mit Krediten sicherstellen.

Reuters/AP / AP / Reuters