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Bankenverband: "Brüssel ist Totengräber des Dispo-Kredits"

Scharfe Kritik an den geplanten neuen Richtlinien der EU-Kommission für die Kreditvergabe übte der Bundesverband der deutschen Banken. Privatkunden drohen massive Einschnitte.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat die von der EU-Kommission geplanten neuen Richtlinien für die Kreditvergabe scharf kritisiert. Bei deren Umsetzung wird es zu massiven Einschnitten für Privatkunden kommen, sagte der stellvertretende BdB-Hauptgeschäftsführer Stephan Steuer der Chemnitzer "Freien Presse" (Freitagausgabe). Wenn die Brüsseler Pläne tatsächlich verwirklicht werden, "wird es keine Überziehungskredite mehr geben". Der Dispo-Kredit mit einem jährlichen Finanzvolumen von 23 Milliarden Euro ist faktisch "tot".

Dispo ist "Kerngschäft"

Was Brüssel mit der Darlehensvergabe vorhat, "hat mit der Realität des Bankengeschäfts nichts mehr zu tun", meinte Steuer. Er bezeichnete den Überziehungskredit als das "Kerngeschäft", das von Kunden und Banken gleichermaßen geschätzt wird. Ein Großteil der 87 Millionen Inhaber von Girokonten machten bislang von der Möglichkeit dieser kurzfristigen Kreditvergabe Gebrauch, sagte er der Meldung zufolge weiter.

Verschuldung soll eingedämmt werden

Die Brüsseler Kommission, die so die zunehmende Verschuldung eindämmen will, greift nach Einschätzung von Steuer zu Mitteln, die das Kreditgeschäft in einer Weise beschneiden, die nicht tragbar wäre. So ist geplant, bei Überziehungskrediten europaweit zusätzliche Informationspflichten einzuführen. Steuer geht davon aus, dass die Kunden gegebenenfalls erst nach rund zwei Wochen über das Geld verfügen könnten. Für viele Zahlungen wäre das aber zu spät.