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Kriminalität: Boom bei Anlagebetrug droht

Mangelndes Vertrauen in Banken und die Kursverluste an den Börsen trieben Sparer in die Arme dubioser Finanzberater. Es gibt immer neue Tricks, aber kaum harte Strafen.

Der Deutsche Anlegerschutzbund (DASB) befürchtet einen wachsenden Boom für Geldanlagebetrüger. Mangelndes Vertrauen in Banken und die Kursverluste an den Börsen trieben Sparer in die Arme dubioser Finanzberater, warnte DASB-Präsident Klaus Nieding kürzlich in Frankfurt. 2002 seien laut Bundeskriminalamt etwa 20 Milliarden Euro am staatlich nicht regulierten «Grauen Kapitalmarkt» versickert. In diesem Jahr werde sich dieser Betrag vermutlich sogar auf 30 Milliarden Euro erhöhen, betonte der Frankfurter Rechtsanwalt. Die Dunkelziffer sei aber sehr hoch.

Neuester Trick: Irak-Fonds

Dabei wenden die schwarzen Schafe der Branche immer neuer Tricks an. Derzeit beobachtet der Anwalt Angebote für «Irak-Fonds», die auf einen Wiederaufbau des Landes nach einem Krieg spekulieren. Auch die Steuerpläne der Bundesregierung werde als Aufhänger dazu benutzt, unseriöse Offerten zu machen. «Es ist eine ganz übliche Masche, aktuelle Geschehnisse aufzugreifen, um mit potenziellen Opfern ins Gespräch zu kommen.»

Bedürfnis nach Sicherheit ausgenutzt

Selbst das Bedürfnis nach mehr Sicherheit werde von unseriösen Geschäftemachern geschickt genutzt. So falle zunehmend das irreführende Werben mit Entschädigungsfonds auf. Mehrfach hätten Betrüger damit geworben, Mitglied in der Entschädigungseinrichtung Deutscher Wertpapierhandelsunternehmen zu sein. Dieser Fonds decke jedoch nur Verluste aus Wertpapiergeschäften ab. Außerdem würden keine Verluste abgesichert, die durch Betrug oder grob fahrlässige Anlageberatung entstünden.

Kaum Fälle vor Gericht

Mit harten Strafen müssten die Kriminellen selten rechnen. «Es gibt kaum noch große Fälle, die vor Gericht landen», kritisiert Nieding. «Eine Kompetenzbündelung der Justiz ist bitter nötig.» Dazu gehöre eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Kapitalmarktstraftaten in Frankfurt. Um Anlagebetrügern Paroli zu bieten, sei eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Verfolgungsbehörden notwendig. «Die Täter fahren Ferrari, die anderen nur Tretroller», mokiert sich Nieding.

Schärfere Gesetze

Auch schärfere Gesetze hält der Anlegerschützer für notwendig. Wer Sparer um Millionen prelle, verlasse oft nach wenigen Jahren das Gefängnis und genieße anschließend die Früchte seines Betruges im Ausland. «Daher müssen auch die Gewinne stärker abgeschöpft werden.»

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