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Corona verkürzt Angebot Ein gefährlicher Schwarzmarkt: In Großbritannien werden Samenspenden teuer via Facebook verkauft

Verzweifelte Eltern in Großbritannien suchen über Facebook einen privaten Samenspender (Symbolbild)
Verzweifelte Eltern in Großbritannien suchen über Facebook einen privaten Samenspender (Symbolbild)
© Bildagentur-online/Ohde/ / Picture Alliance
Wegen der Corona-Pandemie erleben private Samenspenden in Großbritannien über Facebookgruppen einen Boom. Angeboten werden die Spenden in einem sterilen Becher oder auf "natürliche Weise". Ein gefährlicher Schwarzmarkt, auf dem auch mit verzweifelten Frauen gespielt wird.

Aufgrund der Corona-Pandemie sitzen Samenbanken weltweit buchstäblich auf dem Trockenen. Verzweifelte Paare suchen vor allem in Großbritannien in Facebook-Gruppen nach privaten Samenspendern, die bis zu 200 Pfund (rund 230 Euro) pro Samenspende verlangen – was in Großbritannien allerdings illegal ist.

Andere Spender bestehen wiederum auf eine "natürliche Insemination" und begründen dies damit, dass die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft mit Sex erfolgreicher sein soll. Einen wissenschaftlichen Beweis gibt es für diese Behauptung nicht. Experten warnen vor Gefahren, die dieser Schwarzmarkt mit sich bringt. Auch in Deutschland gibt es Samenspender-Gruppen auf Facebook.

Private Samenspende nicht ungefährlich

Laut der "Sunday Times" schnellen die Preise in britischen Samenbanken für Spenden gerade in die Höhe, da das Angebot sehr gering sei. Single-Frauen, unfruchtbare und auch lesbische Paare müssten derzeit "astronomische Summen" für eine Samenspende zahlen, da die Zahl der Spender seit dem Ausbruch der Pandemie drastisch heruntergegangen sei. Bei Samenbanken werden Spender zunächst auf genetische Vorerkrankungen und sexuell übertragbare Krankheiten getestet. Bei einem privaten Samenspender, den man auf Facebook oder in einem Forum ausfindig macht, gebe es diese Gewissheit unterdessen nicht. Spender, die in dem Bericht zu Wort kommen, geben an, bisher nicht einmal nach einem Ausweis gefragt worden zu sein, der ihre Identität bestätigt. Die Verzweiflung nutzten laut der "Sunday Times" viele aus, um auf hinterlistige Weise an Sex mit Frauen zu kommen.

Joyce Harper, Professorin für Reproduktionswissenschaft am Institute for Women's Health, University College London, vergleicht die Gruppen mit Dating-Seiten. Einer der Vorteile sei, dass Eltern den Spender erst einmal kennenlernen können, anstatt den anonymen Prozess bei einer Samenbank zu durchlaufen.

Sie befürchtet jedoch auch, dass Frauen sich in gefährliche Situationen begeben. "Es gibt Frauen, die sich zur Übergabe der Samenspende verabreden und der Mann dann sagt: 'Ich habe es noch nicht getan. Ich denke, es wäre besser für dich, wenn wir Sex hätten.' Es ist herzzerreißend. Die Frau ist so nah an dem, was sie so unbedingt will und wird dann zum Sex überredet ... das grenzt an Vergewaltigung", sagt sie gegenüber der "Sunday Times". Geleichzeitig könne man sich nie sicher sein, ob der Mann überhaupt fruchtbar oder nicht sogar sterilisiert ist.

Auch für Männer besteht eine große Gefahr

Die private Samenspende ist jedoch auch für Männer nicht ungefährlich. Sie sollten sich vor einer privaten Samenspende rechtlich beraten lassen, um sicherzugehen nicht später auf Kindesunterhalt verklagt zu werden. "Wenn die Anerkennung zur Vaterschaft nicht korrekt und zum richtigen Zeitpunkt eingeholt wird, kann der Status der Elternschaft nicht übertragen werden und der Spender ist in den Augen des Gesetzes immer noch der Vater", heißt es von der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA). Eine Gefahr, die auch hierzulande besteht, vor allem bei lesbischen Paaren.

Kinderwunsch

Der BGH hat im Jahr 2015 entschieden, dass Spenderkinder ein Recht darauf haben zu erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Ohne rechtliche Absicherung besteht die Gefahr, dass Kinder von Samenspendern einen Anspruch auf Unterhalt und Erbe geltend machen. Der soziale Vater müsste in diesem Fall schon vor der Geburt die Vaterschaft anerkennen, was bei gleichgeschlechtlichen Paaren beispielsweise nicht möglich ist. Hier führt der Weg nur über die sogenannte Stiefkind-Adoption. Allerdings kann diese erst nach der Geburt des Kindes beantragt werden und auch nur, wenn die Co-Mutter mit der Mutter in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt. Das Adoptionsverfahren kann bis zu zwei Jahre dauern. Während dieses Zeitraums bestehen diverse Haftungsrisiken.

Auch in Deutschland werden private Spenden auf Facebook gesucht

Auf Facebook findet man auch deutschsprachige Gruppen, in denen private Samenspender gesucht werden. In der Beschreibung der Gruppe "Samenspender gesucht" heißt es: "Sowohl die Bechermethode als auch die natürliche Methode sind möglich. Nicht erlaubt ist jedoch, andere zu einer Methode zu drängen. Wünscht z.B. eine Empfängerin nur die Bechermethode, so ist dies ohne Diskussion zu akzeptieren." Das könnte darauf hinweisen, dass es auch hier ähnliche aufdringliche Anfragen gegeben hat. Private Samenspenden sind in Deutschland auch gegen Bezahlung erlaubt, bergen aber die oben genannten rechtlichen Fallstricke.

Quellen:The Times, Deutschlandfunk Nova, Pro Familia, Facebook


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