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Kriselnde Energiekonzerne: Oettinger fordert Fusion von Eon und RWE

Seit der Atomwende stehen die deutschen Energieriesen mit dem Rücken zur Wand. Würde eine Elefantenhochzeit - etwa von Eon und RWE - die Probleme lösen? Verbraucherschützer und Kartellwächter können der Idee nur wenig abgewinnen.

EU-Kommissar Günther Oettinger hat eine Fusion der Energiekonzerne Eon und RWE ins Spiel gebracht - und ist damit bei den Kartellwächtern auf breite Skepsis gestoßen. "Ein solcher Fall würde sicherlich streng kontrolliert werden", sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts am Dienstag auf Anfrage. In einem Zeitungsinterview hatte Oettinger zuvor den Zusammenschluss beider Unternehmen ins Gespräch gebracht, um das Gewicht der deutschen Energiewirtschaft in der weltweiten Branche zu stärken. Zu diesem Gedankenspiel wollten sich weder RWE noch Eon äußern.

"Im Weltmaßstab sind beide nur Regionalliga", sagte der Energiekommissar der "Rheinischen Post". Wolle Deutschland in der Weltliga mitspielen, "brauchen wir einen nationalen Player von entsprechender Größe", sagte Oettinger. Dabei räumte aber auch er wettbewerbsrechtliche Bedenken ein.

Gemeinsam mit Vattenfall und EnBW dominieren der Düsseldorfer und Essener Konzern den deutschen Energiemarkt. Immer wieder sind die Versorger in den vergangenen Jahren vor allem wegen ihrer Strom- und Gaspreispolitik in die Schusslinie von Verbraucherschützern und Politikern geraten. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag der Anteil der Vier an der Stromerzeugung bei Kraftwerken mit einer Leistung von mehr als 5 Megawatt 2009 bei rund 83 Prozent.

Keine zukunftsorientierten Konzepte

Auf wenig Gegenliebe stieß der Vorschlag von Oettinger beim Bund der Energieverbraucher. "Wir brauchen keine Stärkung der Großen, sondern eine Entflechtung", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters. Jahrelang hätten die Energieriesen über dem Durchschnitt gescheffelt und jetzt würden sie auf ein Normalmaß zurechtgestutzt. Es zeige sich zudem, dass die Konzerne kein tragfähiges Konzept hätten. So würden unter anderem Beteiligungen im Ausland jetzt wieder abgestoßen.

Im vergangenen Jahr waren Eon und RWE mit der Atomwende stark unter Druck geraten. Auch das schlecht laufende Gasgeschäft macht sich in den Bilanzen bemerkbar. Eon-Chef Johannes Teyssen schloss im vergangenen Dezember einen Nettoverlust für das Geschäftsjahr 2011 nicht aus. Mit einem Konzernumbau, Verkäufen und Jobkürzungen steuern die Unternehmen dagegen. Mit milliardenschweren Investitionen verstärken sie zugleich den Bereich der erneuerbaren Energien.

Auch vor diesem Hintergrund müsste die von Oettinger ins Gespräch gebrachte Fusion gesehen werden, meinte ein Beobachter. Ziel sei vor allem die Politik, im Sinne von: "Passt auf, dass die deutsche Energiewirtschaft nicht unter die Räder kommt". Kartellrechtlich sei ein solcher Plan aber nicht durchsetzbar. Denn der Vorschlag des Energiekommissars würde schon beim Wettbewerbskommissar auf wenig Gegenliebe stoßen, hieß es.

ono/DPA / DPA