Kritik an Zumwinkel Manager haben "Vorbildfunktion"


"Schweren Schaden für das Ansehen deutscher Wirtschaftsführer"- Kritik an den Aktiengeschäften von Post-Chef Klaus Zumwinkel kommt mittlerweile auch aus der Union. Die Post versucht, das Geschäft zu verteidigen.

Die Kritik an den Aktienverkäufen von Post-Chef Klaus Zumwinkel nimmt an Schärfe zu - auch aus der großen Koalition wird das Vorgehen beanstandet. "Wer sich nach der ganzen Vorgeschichte zu solch einer Aktion hinreißen lässt, fügt dem Ansehen der deutschen Wirtschaftsführer schweren Schaden zu", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch dem "Handelsblatt".

Ähnliche äußerte sich auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CDU): Führende Wirtschaftspersönlichkeiten dürften sich nicht ohne Not dem Verdacht aussetzen, dass sie "erwartete Monopolrenditen zu Geld machen". Der Zeitpunkt von Aktienverkäufen sei "nicht nur eine Frage des Börsenkurses", sagte Glos der "Bild".

Mehr als zwei Millionen eingelöst

Zumwinkel hatte am Montag Aktien der Deutschen Post im Wert von 4,73 Millionen Euro verkauft. Dabei macht er einen Zugewinn von fast 100 Prozent oder rund 2,24 Millionen Euro. Grundsätzlich sind Aktien-Optionen ein ganz normaler Teil der Vorstandsvergütung. Der Zeitpunkt des Verkaufs sorgte jedoch in der Öffentlichkeit für Stirnrunzeln: In der vergangenen Woche hatte sich die große Koalition nach langem Ringen auf einen Mindestlohn für die Postbranche geeinigt hatte. In der Folge waren die Aktien des Unternehmens deutlich gestiegen.

Die Konkurrenten der Monopolisten Post kritisierten den vereinbarten Stundenlohn von über neun Euro als zu hoch und sehen sich durch die Pläne in ihrer Existenz gefährdet. Die zum Verlagskonzern Axel Springer gehörende PIN Group hatte Massenentlassungen angekündigt.

"Zumwinkel hat seinen Mindestlohn gesichert"

Besonders deutlich äußerte sich der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder: "Es ist einfach unanständig, erst Schutzlöhne durchzusetzen und dann abzukassieren. Herr Zumwinkel hat jetzt seinen Mindestlohn gesichert."

Die Deutsche Post verteidigte das Vorgehen ihres Chefs: Ausschlaggebend für den Verkauf sei allein ein "juristisches Zeitfenster" gewesen, in dem der Post-Chef überhaupt habe verkaufen dürfen. Vorstandsvorsitzende können in Deutschland nach einer Selbstverpflichtung nur zu bestimmten Zeiten Aktien verkaufen oder Optionen einlösen. Kurz vor der Bekanntgabe von Geschäftszahlen etwa ist dies verboten.

Aber auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) konnte sich eine spitze gegen Zumwinkel nicht verkneifen: "Die Aufregung kann ich verstehen", sagte er im Nachrichten-Sender N24. "Darüber wird zu sprechen sein. Das trifft generell das Thema, inwieweit auch deutsche Manager ... eine Vorbildfunktion haben."

DPA/Reuters DPA Reuters

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