HOME

KURSBETRUG: Die bizarre Kindergarten-Connection

Im Skandal um getürkte Aktienempfehlungen New Yorker Analysten kommen nun die wahren Gründe ans Tageslicht: Es ging um Plätze in exklusiven Kinderkrippen, nicht um Geld.

Der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer ist wahrhaft dunklen Machenschaften auf der Spur. Analysten der großen Brokerfirmen, ist Spitzer überzeugt, lobten im Börsenboom der 90er Jahre intern verlachte Aktien über den grünen Klee, um ihren Brötchengebern lukrative Aufträge der Firmen zu sichern. Dass seine Ermittlungen ihn jetzt in die Niederungen eines New Yorker Kindergartens führten, gibt einen seltenen Einblick in die bizarren Probleme, mit denen sich die New Yorker Schickeria rumzuärgern hat.

Verblüffender E-Mailwechsel

Spitzers verbissene Schüffelei in dem internen Schriftverkehr der Citibank hat Erstaunliches zu Tage gefördert: Kann es sein, dass der einstige Staranalyst Jack Grubman die Aktien des Telefonriesen AT&T entgegen seiner Überzeugung nach oben jubelte, damit sein Boss den Grubman-Kindern Zutritt zu einem der exklusivsten Kindergärten von New York verschafft? Der E-Mail-Wechsel zwischen Grubman und Citibank-Chef Sanford Weill legt dies nach Überzeugung Spitzers nahe.

Krippenplätze für eine Million Dollar

»Wie ich letzte Woche schon andeutete, sind wir gerade mitten in diesem lächerlichen, aber notwendigen Bewerbungsprozess für die Kindergartenplätze in Manhattan. ... Wenn Sie irgendetwas tun könnten, wären wir sehr dankbar. Und, wie gesagt, ich halte Sie in Sachen AT&T auf dem Laufenden. Es sieht gut aus«, schrieb Grubman im November 1999 an seinen Boss. Citigroup versprach der »92nd Street Y«-Krippe eine Million Dollar, und die Grubman-Zwillinge wurden kurz darauf in den exklusiven Zirkel aufgenommen.

Die Million floss aber erst, nachdem Grubman einer freundlichen »Anregung« seines Bosses nachgekommen war: er möge doch mal »einen frischen Blick« auf seine Aktienempfehlung für den Telekomkonzern AT&T werfen, hatte Weill Grubman gebeten. Weill verfolgte, wenn man einer anderen E-Mail Grubmans glauben darf, damit ureigene Ambitionen: er wollte die Unterstützung des AT&T-Chefs Michael Armstrong im Citibank-Aufsichtsrat für seinen Machtkampf gegen den damaligen Konkurrenten in der Firmenspitze, John Reed. Grubman parierte. Er empfahl AT&T plötzlich zum Kauf.

Aktienempfehlung wieder revidiert

»Nachdem für uns beiden alles klar war - Sandy (Weill) Sieger und der Platz für meine Kinder bestätigt - bin ich wieder zu meiner Haltung (betreffend AT&T) zurückgekehrt«, schrieb Grubman Anfang letzten Jahres an einen anderen E-Mail-Empfänger. Tatsächlich hatte er die Kaufempfehlung für AT&T nach ein paar Monaten wieder geändert.

Karriere fängt im Kindergarten an

Dass die Kindergartenfrage die für hunderttausende Anleger entscheidende Einschätzung des einflussreichen Telekomanalysten beeinflusst haben könnte, wundert New Yorker Eltern auf der Suche nach der ultimativen Eintrittskarte für ihre Kleinen in die Nobelwelt der Superreichen kein bisschen. Wer seine Sprösslinge auf die Rennstrecke zu den einflussreichsten Universitäten schicken will, lebt von Geburt an im Stress. Schon die Krippe für die 2-Jährigen, sind viele Eltern überzeugt, bahnt den Weg nach Harvard.

Vitamin B soll's richten

Der exklusive »Y«-Kindergarten für Kinder von zweieinhalb bis 5 Jahren kostet je nach Alter bis zu 14.400 Dollar im Jahr. Um die 65 Plätze im Jahr bewerben sich hunderte Eltern. Verzweifelt ziehen viele alle erdenklichen Strippen. Vitamin B funktioniert, wissen Eingeweihte. »Dass es Korruption inzwischen selbst auf Krippenniveau gibt, ist furchtbar«, sagte Edes Gilbert, die exklusiven Schulen bei der Suche nach geeigneten Managern hilft, der »New York Times«. Die Schulen selbst weisen dies zurück. »Das eine große Spende den Zulassungsprozess «schmieren» kann, ist einfach nicht wahr«, sagte die Pressesprecherin der »Y«-Krippe, Alix Friedman. »Das einzige, was wir hier berücksichtigen, sind die Kinder selbst.«