Ladenschluss Verbrauchers Lust - Verkäufers Frust


Seit einem Monat darf in Deutschland auch samstags bis 20.00 Uhr eingekauft werden - und immer noch scheiden sich an dem "Superlangen Samstag" die Geister.

Nach einem Monat langer Samstag ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Auch nach vier Wochen ungestörtem Einkaufsvergnügen bis 20.00 Uhr, scheiden sich daran immer noch die Geister. Was für die einen ein Plus an Komfort, ein Impuls für die Wirtschaft oder gar ein Schritt zur völligen Freigabe der Ladenschlusszeiten ist, sehen die anderen als Anschlag auf die Freizeit der Beschäftigten.

ver.di: Kaum Umsatzzuwachs

Die um bis zu vier Stunden längeren Ladenschlusszeiten hätten weder neue Arbeitsplätze noch Umsatzzuwächse gebracht, kritisiert Franziska Wiethold, für den Handel zuständiges Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Der Neuigkeitseffekt sei verflogen. "Der Umsatzzuwachs hat sich von Samstag zu Samstag verringert."

Geschäftsbetrieb verlagert sich

Lediglich eine Verlagerung des Geschäftsbetriebes lasse sich feststellen, sagt Wiethold. Bei Handelsketten und Geschäften in den Zentren klingeln nämlich tatsächlich die Kassen. Dieses Geld fehlt jedoch bei Geschäften in den Stadtteilen und auf dem Land. "Jeder Gewinner produziert einen Verlierer", sagt die Gewerkschafterin. Dazu gehören auch die Beschäftigten. "Für die ist es eine ganz bittere Geschichte. Der ganze Samstag ist kaputt."

Riesenerfolg in Ballungsräumen

"Der lange Samstag bewährt sich", betont dagegen Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Zwar räumt auch er ein: "Vor allem in Großstädten wie Berlin oder München ist er ein Riesenerfolg, auf dem flachen Land weniger." Das sei aber auch gar nicht zu erwarten gewesen. Der Einzelhandel hatte gar nicht mit wesentlich höheren Umsätzen gerechnet. "Das, was am Samstagabend ausgegeben wird, fehlt zu anderer Zeit oder an anderer Stelle." Die längeren Ladenschlusszeiten bieten einfach eine Möglichkeit, besser auf die Wünsche der Kunden eingehen zu können.

Zuspruch dürfte zunehmen

Der These, vor allem große Warenhäuser seien die Gewinner und kleine Geschäfte blieben auf der Strecke, mag Pellengahr nicht folgen. "Es richtet sich nach dem Standort, nicht nach der Größe des Geschäfts." Der Zuspruch dürfte voraussichtlich noch zunehmen. Derzeit machen rund 40 Prozent der Geschäfte von der Möglichkeit Gebrauch, Samstags länger aufzusperren. "Ich denke, dass es im Endeffekt die Hälfte der Geschäfte sein werden."

Je größer, desto zufriedener

Beim schwedischen Möbelkonzern Ikea, der in Deutschland 30 Filialen betreibt, ist man mit den Resultaten sehr zufrieden. In den ersten Wochen wurden deutliche Umsatzsteigerungen registriert, sagt Sprecherin Sabine Nold. "Wir waren selbst überrascht." Die Menschen genossen es, sich Samstags in Ruhe mit der ganzen Familie nach einer neuen Wohnzimmergarnitur oder Küche umzusehen. "Bisher war es so, dass wir die Leute um 16.00 Uhr aus den Häusern regelrecht vertreiben mussten." Voll des Lobes für die längeren Einkaufszeiten am Samstag ist auch die Bekleidungskette C&A mit bundesweit 185 Filialen. "Das wird gut angenommen", sagt Sprecher Knut Brüggemann. Die Umsatzentwicklung mache "richtig Freude".

Verbraucherschützer sehen's gelassen

Dem Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv sind bisher keine Klagen zu Ohren gekommen. "Wir haben bisher nichts Negatives gehört",sagt Sprecher Carel Mohn. Man müsse zwar noch den Verlauf des Herbstes und des Weihnachtsgeschäftes abwarten, grundsätzlich würden die neuen Einkaufsmöglichkeiten aber gut angenommen. Sogar ein weiterer Schritt sei denkbar: Es gebe "keinen vernünftigen Gründe", die Ladenschlusszeiten unter der Woche nicht ganz freizugeben.


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