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Leo Kirch: Dauerfehde - auch mit 80 Jahren

Vier Jahre nach dem Einsturz seines Medienimperiums ist Leo Kirch keinesfalls ein gebrochener Mann. Dafür beschäftigt ihn die Dauerfehde mit Rolf Breuer und der Deutschen Bank viel zu sehr.

"Er ist ziemlich fröhlich und geht jeden Tag in sein Münchner Stadtbüro", sagt ein Vertrauter über Leo Kirch. Beschäftigt ist er dabei in erster Linie mit seiner Dauerfehde mit Rolf Breuer und der Deutschen Bank. An diesem Samstag (21. Oktober) wird Kirch, über Jahrzehnte einer der mächtigsten und politisch umstrittensten Medienunternehmer Deutschlands, 80 Jahre alt.

Sein Imperium arbeitet profitabel - für andere

Auch wenn seine Medienunternehmen inzwischen anderen gehören: Kirch hat durchaus Bleibendes geschaffen. Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 arbeitet heute hochprofitabel. Der US-Unternehmer Haim Saban und seine Investoren haben ein Milliardengeschäft gemacht, als sie die Senderkette günstig aus der Insolvenzmasse Kirchs herauskaufen. Auch der Bezahlsender Premiere, der mit seinen Milliardenverlusten das Imperium ins Wanken brachte, ist noch immer auf Sendung und an der Börse knapp 900 Millionen Euro wert. Ohne Kirch sähe die Medienlandschaft heute anders aus. "Bayern profitiert von seiner Leistung", sagt der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Wolf-Dieter Ring.

Kirch hadere nicht mit dem Schicksal, heißt es in seinem Umfeld. Als sich das Desaster abzeichnete, sagte der Katholik Kirch lakonisch: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen." Hinzu kommt, dass er keine finanziellen Sorgen hat und nach wie vor voller Energie steckt. So treibt er auch die Auseinandersetzung mit Breuer und der Deutschen Bank unermüdlich voran. Kirch wirft dem Kreditinstitut und Breuer vor, für die Pleite seines Imperiums mit verantwortlich zu sein. Breuer hatte auf dem Höhepunkt der Kirch-Krise Anfang 2002 als Vorstandschef der Deutschen Bank die Kreditwürdigkeit des Geschäftspartners Kirch öffentlich in Zweifel gezogen. Dieser bekam kein frisches Geld mehr von den Banken und ging kurz darauf pleite.

Immer noch Öffentlichkeitsscheu

Als Kirch den Rivalen Breuer und die Deutsche Bank mit Klagen überzog, gaben viele Beobachter ihm keine Chance. Zwar hatten die Aussagen Breuers für viel Verwunderung in der verschwiegenen Bankbranche gesorgt. Dass sich Kirch aber bis hoch zum Bundesgerichtshof durchsetzen sollte und Breuer als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank zurücktreten würde, hatte kaum jemand erwartet. Kirch genießt die Triumphe im Stillen. Zwar ist er öfter in seinem Lieblingsrestaurant in der Münchner Innenstadt anzutreffen, öffentliche Auftritte aber meidet er - das war in seiner aktiven Zeit nicht anders. Lange Zeit gab es nicht einmal Fotos des Medienunternehmers, der inzwischen schwer an Zucker erkrankt ist.

Der fränkische Winzersohn hatte sein Imperium mit zeitweise rund 10.000 Beschäftigen aus dem Nichts aufgebaut. Lange Zeit konnte er aus seinem Büro in der Firmenzentrale in Ismaning bei München eigenmächtig und ohne Kontrollmechanismen Milliarden bewegen und die deutsche Medienkonkurrenz in Angst und Schrecken versetzen. Damals war nicht absehbar, dass das Engagement in der - bezogen auf den Schuldenstand - größten Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte enden würde.

Sein Traum wurde auch sein Verhängnis

Seinen Geschäftssinn hatte Kirch bereits im Alter von 29 Jahren bewiesen: Er sicherte sich mit geliehenem Geld in Italien die Rechte an dem Filmklassiker "La Strada". Mit viel Mut zum Risiko und unternehmerischem Gespür für die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland baute er in den folgenden Jahrzehnten ein lange Zeit undurchschaubares Geflecht von Beteiligungen rund um Fußball, Film, Fernsehen und die Formel 1 auf. Bei der rasanten Expansion ging ihm immer wieder einmal das Geld aus. Doch mit Hilfe seiner guten Kontakte in die obersten Etagen von Banken und politischen Schaltstellen beschaffte er sich immer wieder milliardenschwere Kapitalspritzen. Besonders auf seine guten Beziehungen in Bayern konnte er sich jahrzehntelang verlassen. Auch wegen der engen Kontakte zu Altbundeskanzler Helmut Kohl war seine Medienmacht lange heftigst umstritten.

Ausgerechnet sein größter Traum wurde ihm zum Verhängnis: Die Vision vom Monopol im Bezahlfernsehen in Deutschland. Fast verbissen investierte er - gegen die Empfehlung enger Berater - Unsummen in den Bezahlsender Premiere. Das Milliardengrab brachte sein Imperium ins Wanken. Zudem erkannte Kirch offensichtlich die Zeichen der Zeit zu spät. Erst spät versuchte er, sein Reich zu ordnen und durch mehr Transparenz reif für die Kapitalmärkte zu machen. Doch da war es schon zu spät, um das Lebenswerk noch zu retten.

Axel Höpner/DPA / DPA