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Werbung mit schwarzem Model: So gelassen reagiert Lidl auf einen Rassismus-Shitstorm

Eine Werbeanzeige mit einem schwarzen Model hat dem Discounter Lidl in Tschechien harsche rassistische Kommentare eingebracht. Doch die Lidl-Führung ließ sich davon nicht einschüchtern und zeigte Haltung.

Lidl

Dieses Fashion-Model auf der tschechischen Lidl-Homepage war für einige Kunden offenbar zu viel des Multikulti

Mit einer vermeintlich harmlosen Werbeanzeige hat der Discounter Lidl in Tschechien zahlreiche rassistische Kundenreaktionen provoziert. Die Werbung auf der tschechichen Lidl-Homepage zeigt einen dunkelhäutigen Mann, der völlig unspektakuläre legere Kleidung präsentiert.

Wie die Katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet, brach daraufhin auf der Facebookseite des Unternehmens ein rassistischer Shitstorm aus. "Wir haben gern bei Ihnen eingekauft. Doch kommen Sie uns bitte nicht mit Multikulti!", war laut KNA dort zu lesen. "Übertreiben Sie es nicht etwas? Auf Werbeflyern in Tschechien erwarte ich typisch tschechische Models", schreibt ein anderer Kunde. Und einer formuliert in reinstem Neonazi-Duktus: "Ich bin angewidert. Multikulti führt zur Auslöschung der weißen Rasse."

Präsident wettert gegen Flüchtlinge

Die rassistischen Ausfälle passen in die ausländerfeindliche Stimmung, die Teile der tschechischen Gesellschaft erfasst hat. Das Land, in dem vergleichsweise wenige Ausländer leben, hat ähnlich wie Ungarn aggressiv auf die Flüchtlingsströme der vergangenen zwei Jahre reagiert. Allen voran Präsident Milos Zeman schwingt regelmäßig die Verbalkeule gegen Flüchtlinge. Anfang Oktober schlug er vor, Flüchtlinge auf "unbewohnte griechische Inseln" oder in "leere Landstriche" Nordafrikas zu deportieren. Und zwei Monate zuvor rief er die Bürger seines Landes gar öffentlich auf, sich gegen Terroristen zu bewaffnen. Seine eigene Frau habe auf seinen Rat hin bereits einen Waffenschein erworben. Zeman selbst sei bereit, die Grenze mit der Waffe in der Hand gegen Illegale zu verteidigen.

Lidl: "Wir leben im 21. Jahrhundert"

Mit dieser Vorgeschichte ist der Kommentar eines weiteren Lidl-Kunden auf der Facebookseite wohl als ironisch zu begreifen: "Das mit dem Schwarzen geht wirklich zu weit. Ich beantrage sofort einen Waffenschein. Am besten gleich für einen Panzer."

Die tschechische Lidl-Führung reagierte auf die rassistischen Ausfälle laut KNA unbeeindruckt. In einem Statement erklärte sie: "Wir leben im 21. Jahrhundert, wo verschiedene Rassen zusammen existieren. Wir sehen da keine Unterschiede. Je mehr Sie von der Welt kennen, desto größere Toleranz entwickeln Sie. Deshalb beschäftigen wir Models aus allen Teilen der Welt."

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