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Aktionware: Akku-Bohrer vom Discounter: Warum Lidl auf Handwerker-Produkte setzt

Lidl macht Baumärkten Konkurrenz und listet deutlich häufiger Produkte für Heimwerker und Gartenfreunde. Und die Baumärkte? Die wildern im Geschäft von Ikea.

Lidl macht Baumarkt Konkurrenz

Für Lidl lohnen sich die Handwerker-Aktionen

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Deutschlands Discounter müssen strampeln, um noch auf gute Erträge zu kommen. Das überproportionale Wachstum scheint zumindest für die Branchengrößen Lidl oder Aldi vorbei. Und so müssen sich auch die Billigketten Strategien überlegen, wie sie die Umsätze hoch halten. Markenware in die Regale zu räumen, ist eine Möglichkeit. Eine andere ist es, durch die richtige Aktionsware neue Kunden zu locken. Und da scheint Lidl in der Vergangenheit den richtigen Riecher gehabt zu haben.

Denn der Discounter aus Neckarsulm setzt künftig verstärkt auf Handwerker-Ausstattung, berichtet die "Lebensmittelzeitung". Laut des Beraters Axel Goss hat Lidl 2017 einen Umsatz von rund 750 Millionen Euro mit Do-it-yourself-Artikel und Gartenausrüstung gemacht.Im Vergleich zum Jahr 2015 sei dies ein Plus um mehr als die Hälfte. Wie aggressiv Lidl seine Produkte verhökert, zeigt der aktuelle Prospekt. Dort bewirbt der Händler einen Akku-Bohrschrauber für 29,99 Euro oder eine Stichsäge für 24,99 Euro, auch Blumenzwiebeln für Frühblüher sind im Angebot. 

+++ Lesen Sie hier: Wie gut ist das Werkzeug vom Discounter? +++

Baumarkt-Artikel sind nicht nur für Lidl, sondern auch für Konkurrent Aldi ein temporärer Wachstumstreiber. Allerdings in einem deutlich geringerem Ausmaß: Die "Lebensmittelzeitung" berichtet, dass laut Goss die Aldi-Umsätze nicht mal ein Zehntel des Volumens von Lidl erzielen. Keiner der beiden Discounter wollte sich dazu äußern. "Auch in unserer Wahrnehmung bauen die Discounter die Aktionen mit DIY- und Gartenartikeln aus", sagt Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), zur "Lebensmittelzeitung"

Das Geschäft mit Gartenscheren und Akku-Bohrern richten die Discounter sehr saisonal aus. Für Kunden werden diese Angebote, also Blumenzwiebeln im Frühjahr, Maler-Utensilien zur kälteren Jahreszeit, erwartbar. Das verschärft das Geschäft für die Baumärkte. Dabei gibt es neben den Billigheimern noch einen weiteren Akteur, der die Baumärkte unter Druck setzt: Längst mischt auch Amazon in diesem Gebiet mit.

Baumärkte setzen auf DIY-Möbel

Während Discounter und Online-Riesen immer weiter in dem Geschäftsbereich von Obi, Hornbach und Co. wildern, haben die einen neuen Umsatztreiber entdeckt, berichtet "Horizont": Möbel zum Selbstaufbauen. Diese Domäne wird traditionell von Ikea beherrscht. Zwar haben auch andere Möbelriesen inzwischen Stühle, Tische oder Regale, die von den Kunden zu Hause zusammengeschraubt werden müssen. Doch die Marktmacht von Ikea ist bislang ungebrochen. 

Genau hier greifen nun Baumärkte an. Obi hat jüngst eine Werbekampagne gestartet, die das Unternehmen mit dem Slogan "Heute bauen wir Möbel" klar als Ikea-Alternative verkauft. Allerdings kopieren die Baumärkte nicht das Ikea-Konzept, sondern zeigen mit Anleitungen, wie aus Materialen aus ihren Märkten Möbel gebaut werden können. Damit setzen sie - anders als Ikea - auf die DIY-Welle. Dass die Aktion aber klar gegen Ikea schießt, erkennt man auch daran, dass die Möbel-Ideen, die präsentiert werden, flotte Vornamen Tragen. Merle (Garderobe), Kalle (Tisch) oder Moritz (Kinderbett) klingen so, als ob sie auch von Ikea stammen könnten. 

Handprodukte im Supermarktregal
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