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Drei Jahre nach der Insolvenz: Praktiker ist zurück - aber nicht als Baumarkt

Drei Jahre nach der Insolvenz der Baumarktkette Praktiker ist die Marke zurück - allerdings nicht als Baumarkt, sondern als Internet-Auftritt. Unter Praktiker.de finden Heimwerker zwar wieder Werkzeuge und Co. - doch kaufen kann man sie dort nicht.

Praktiker ist zurück

Praktiker ist zurück - im Netz.

Billig, billiger, Praktiker: Über Jahre beherrschte der Werbeslogan "20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung" die Werbewelt. Im Sommer 2013 war Schluss damit: Die Baumarktkette Praktiker, gegründet 1978, schlitterte in die Pleite. Die Billig-Strategie mit den Rabatten, Missmanagement und hohe Beratungskosten hatten für schwere Verluste gesorgt - und am Ende Praktiker und die Tochterfirma Max Bahr in die Insolvenz getrieben. Im Herbst begann der Ausverkauf, die Marke Praktiker verschwand Ende November 2013 vom Markt. 20.000 Mitarbeiter standen vor einer unsicheren Zukunft. Die ausrangierten Baumärkte wurden von Wettbewerbern übernommen oder Flüchtlinge darin untergebracht.

Praktiker ist zurück - ein bisschen

Drei Jahre später ist die Marke Praktiker zurück - als Neugründung, die "mit der Zeit geht und voll auf online" setze, heißt es in der Ankündigung. Denn Praktiker findet jetzt im Netz statt. "Klassische Baumärkte mit großen Hallen wird es nicht geben", sagt eine Sprecherin.


Hinter Praktiker.de stehen Dirk Oschmann und Christoph Kilz, die die Namensrechte gekauft haben. Die Geschäftsführer bringen Online-Expertise mit. So gründete Oschmann Portale wie Billigstrom.de, Raumduftshop.de und einen Homepage-Maker. Er hat mit Praktiker Großes vor. "Das blau-gelbe Logo der sympathischen Marke bleibt. Wir wollen das Vertrauen in die Marke wieder auferstehen lassen und zu altem Glanz im Online-Markt führen. Deutschland ist dabei nur unser erster Schritt", so Oschmann zum stern.

Auch Kilz hat schon eine ganze Reihe von Webseiten auf den Weg geschickt, wie das Online-Wörterbuch Woxikon und Infoseiten wie Hochzeit.com oder Fliegen.com. So ähnlich wie die verbrauchernahen Vergleichsportale auch scheinen mögen - die neuen Praktiker-Eigentümer unterscheiden sich. Oschmann gründet und verkauft, beispielsweise das Stromvergleichsportal an den Marktführer Verivox. Aktuell ist er neben seinem Geschäftsführerposten bei Praktiker auch noch Chef des Onlinehandels Raumduftshop.de. Christoph Kilz hingegen rollte im Juli 2016 mit seinem Hotdog-Wagen über das Foodtruck Festival in München. Darüber hinaus ist er Chef der Eisbär Media. "Ich habe über Kollegen erfahren, dass die Marke erwerbbar war und mich sofort darum bemüht. Das Potenzial habe ich sofort gesehen und hatte gleich Ideen über mögliche Inhalte", so Dirk Oschmann.

Im Netz wachsen

Online-Experten sind die neuen Chefs, aber keine ausgewiesenen Profis in Sachen Baumarkt. Die ehemalige Konkurrenz wie Hornbach oder Obi tut sich hingegen schwer im Netz - obwohl dort noch satte Gewinne warten. Der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten schätzt, dass 2015 das Selbstbau-Segment um 10,5 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gewachsen sei. Laut dem Internetportal "Internetworld" erzielten die Baumärkte 12,5 Prozent ihres Gesamtumsatzes 2015 im Netz. In diesem Jahr soll das Segment um acht Prozent wachsen. Zum Vergleich: Der Baumarkthandel erwartet in den Filialen ein Umsatzwachstum von 1,5 Prozent.

Vergleichsportal statt Baumarkt

Doch Hornbach und Co. haben einen gewaltigen Vorsprung. Allein 2015 steckte die Baumarktkette rund 50 Millionen Euro in den Netzauftritt. Oschmann und Kilz setzen daher nicht auf den klassischen Vertrieb von Werkzeugen und Sanitärkrempel im Netz, sondern bleiben ihren alten Geschäftsmodellen treu. Kunden können auf der neuen Webseite von Praktiker zwar rund 6000 Baumarktprodukte finden - kaufen können sie sie dort aber nicht. Denn Praktiker ist eher ein Vergleichsportal für Angebote im Netz.

Das 13-teilige Schraubendreher-Set gibt es beispielsweise bei Amazon für rund 34 Euro, Hagebau bietet es derzeit für knapp 25 Euro an. Bestellt der Besucher über Praktiker.de, wird eine Provision fällig. "Im ersten Schritt bieten wir aktuell einen Preisvergleich an, der um einen Marktplatz für geprüfte Händler stetig erweitert wird. Wir werden Online bleiben und Offline keine Märkte anbieten oder betreiben", so Oschmann.

Welche Angebote auf Praktiker.de aufgenommen werden - und welche unter den Tisch fallen - müsse sich noch zeigen. Derzeit würden Gespräch mit Onlinehändlern geführt, so die Sprecherin von Praktiker. Wer sich durch die Praktiker-Webseite klickt, merkt allerdings schnell: Bis auf wenige Ausnahmen werden bislang nur Angebote von Hagebau und Amazon angezeigt.

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