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Lohnforderungen: Neuer Transnet-Chef Krauß gibt auf

Er ist gerade erst ein halbes Jahr im Amt und wirft schon das Handtuch: Der Chef der größten Bahngewerkschaft Transnet, Lothar Krauß, räumt seinen Posten. Seit dem Wirbel um den Wechsel von Krauß-Vorgänger Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand verliert Transnet massiv Mitglieder.

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Lothar Krauß, gibt sein Amt nach nur sechs Monaten wieder auf. Beim Gewerkschaftstag in der kommenden Woche wolle der 52-Jährige nicht mehr für den Vorsitz kandidieren, teilte Transnet nach einer Sitzung des Hauptvorstands in Frankfurt mit. Als Nachfolger für den Chefposten nominierte das Gremium einstimmig den bisherigen Vize-Vorsitzenden Alexander Kirchner, 52.

Zur Begründung für seinen Rückzug sagte Krauß, Transnet befinde sich "in einer ihrer schwierigsten Zeiten". Die größte der Bahngewerkschaften brauche daher mehr denn je "inhaltliche Geschlossenheit und eine Führung, die von breiten Mehrheiten getragen wird." Krauß war erst im Mai zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Norbert Hansen gewählt worden, der trotz zahlreicher Proteste als Personalvorstand zur Deutschen Bahn gewechselt war. Der Wechsel von Hansen ins Arbeitgeberlager habe "Wut und Ärger" ausgelöst und das Vertrauen in die Führung der Transnet erschüttert, sagte Krauß, der lange Seite an Seite mit Hansen gearbeitet hatte.

Krauß erklärte weiter, der Streit um den Bahn-Börsengang habe die Mitglieder tief verunsichert. Hansen hatte die Pläne von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn lange unterstützt, bevor er kurz nach der politischen Entscheidung für den Börsengang als Arbeitsdirektor in den Vorstand der Deutschen Bahn wechselte. Der Abgang Hansens führte jedoch nicht zu einem Umbruch in der Gewerkschaft, stattdessen setzte Krauß die Linie des Vorgängers fort. Dies verschärfte den Konflikt auch mit der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), die den Börsengang ablehnte und zugleich härter gegenüber der Bahn in Tarifauseinandersetzungen auftrat. Zahlreiche Mitglieder wandern seitdem von Transnet zur GDL ab. Für die neue Lohnrunde hat Transnet nun zehn Prozent mehr von der Bahn gefordert, was angesichts der Wirtschaftskrise als ungewöhnlich gilt.

DPA/Reuters / DPA / Reuters