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Deutsche Bahn: Am Donnerstag wird gestreikt

Bahnkunden in ganz Deutschland müssen sich am Donnerstag auf erhebliche Behinderungen einstellen. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben von 4.30 Uhr bis zum späten Vormittag Warnstreiks angekündigt. Betroffen sein sollen Bremen, Hamburg und Berlin - aber auch weitere deutsche Städte.

Bahn-Reisende müssen sich am Donnerstag auf massive Einschränkungen mit Zugausfällen und Verspätungen einstellen. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA kündigte für neun Städte die ersten Warnstreiks des laufenden Tarifkonflikts an. Betroffen sind ab 04.30 Uhr bis in den späten Vormittag hinein die Großräume Köln, Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Berlin, Saalfeld, Magdeburg, Nürnberg und München.

Zwar seien punktuelle Arbeitsniederlegungen geplant. "Das System ist aber so sehr vernetzt, dass es sehr wohl Auswirkungen auf ganz Deutschland geben kann", sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner in Frankfurt am Main. Die Beschäftigten wollten dem Bahn-Konzern zeigen, wie ernst sie es meinten. Man erwarte mehrere Hundert Warnstreik-Teilnehmer aus unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen.

Die Bahn hat angekündigt, wegen der Warnstreiks eine kostenlose Informations-Telefonnummer 08000 99 66 33 für Reisende einzurichten. Kunden sollen auch mit Durchsagen auf den Bahnhöfen oder im Internet unter www.bahn.de/aktuell auf Einschränkungen und mögliche Ersatzzüge hingewiesen werden. Wer wegen streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen die Reise nicht antreten kann, kann sich die Tickets und Reservierungen bis zum 15. Februar kostenlos erstatten lassen.

Bei dem Streik gehe es zunächst um ein "Warnsignal an die Arbeitgeberseite", möglicherweise müsse man noch steigerungsfähig sein, hieß es von Seiten der Gewerkschaften. Transnet und GDBA beklagten, dass sich die Bahn in der dritten Verhandlungsrunde am Mittwoch nicht bewegt habe. Zwar habe sie über die Medien ein neues Angebot angekündigt, dann aber nichts vorgelegt. "Insbesondere bei den Themen Arbeitszeit und Entgelt ist es bei den alten Angeboten geblieben", sagte Kirchner. Die Bahn versuche, die wichtige Frage der Arbeitszeit abzukoppeln und auf die Zeit nach der Einkommensrunde zu verschieben.

Auf die Atmosphäre in den Gesprächen mit Bahn-Verhandlungsführer Norbert Hansen angesprochen sagte Kirchner: "Die Temperaturen draußen sind wärmer als das, was wir drinnen haben." GDBA-Vize Heinz Fuhrmann sprach von einem "schwachen Verhandlungsverlauf", so dass die Gewerkschaften jetzt mehr Druck aufbauen müssten. Dass davon Kunden betroffen seien, lasse sich leider nicht ändern, sagte er.

Weitere Warnstreiks sind nach Aussage der Gewerkschaften zunächst nicht geplant. Wenn die Bahn am Freitag ein neues Angebot auf den Tisch lege, werde bis einschließlich Montag nicht gestreikt. Dann werde die Verbandstarifkommission von Transnet/GDBA zusammentreten und beraten. "Doch wenn der Arbeitgeber sich weiter so schneckenhaft verhält wie bisher, sehen wir schwarz für eine Einigung", sagte Fuhrmann.

Hintergrund sind die Tarifverhandlungen um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für rund 130.000 Bahn-Beschäftigte, die am Mittwoch in dritter Runde fortgesetzt wurden. Transnet-Chef Kirchner hatte vor Beginn angekündigt, dass die Bahn die ersten Warnstreiks nur noch mit einem neuen Angebot abwenden könne. Das für Personal zuständige Bahn-Vorstandsmitglied Hansen, der früher selbst Transnet-Vorsitzender war, hatte zuletzt vergeblich an die Gewerkschaften appelliert, auf den Streik zu verzichten.

Transnet und die Gewerkschaft GDBA verlangen neben zehn Prozent mehr Geld bessere Arbeitsbedingungen, unter anderem mindestens zwölf freie Wochenenden im Kalenderjahr und eine längerfristige Planung der Schichtdienste. Laut Transnet liegt die Bahn mit ihrem bisherigen Angebot in allen Bereichen unter den Gewerkschafts-Forderungen. "Wir haben beim Entgelt ein Angebot von einem Prozent und 200 Euro Einmalzahlung, das ist völlig inakzeptabel. Und wir haben bei der Arbeitszeit Angebote, die gleichzeitig mit Gegenforderungen verbunden sind und eine weitere Verschlechterung bedeuten würden", erklärte Kirchner. Die Bahn hatte das eigene Angebot zuletzt mit bis zu 3,0 Prozent beziffert.

AP/DPA / AP / DPA