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Nobert Hansen: Guter Abschluss - 1500 Prozent mehr

Verschiedene Gewerkschaften haben mit massiver Kritik auf den Wechsel von Norbert Hansen in den Vorstand der Bahn reagiert. Auch an der Transnet-Basis werden viele Fragen laut. Hansen selbst kann sich auf ein deutlich höheres Gehalt freuen.

Der Seitenwechsel von Norbert Hansen, dem ehemaligen Chef der Bahngewerkschaft Transnet und künftigen Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn, hat massive Kritik hervorgerufen. "Bei uns hat das nur heftiges Kopfschütteln hervorgerufen", sagte Harald Reutter, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi stern.de.

Klar ist: Die Gewerkschaften bangen um das Ansehen der Arbeitnehmervertreter. Zwar ist es auch in anderen Unternehmen nicht unüblich, dass ein Gewerkschaftsvertreter die Position eines Arbeitsdirektors einnimmt. Das sei eine Säule der Mitbestimmung, heißt es in Gewerkschaftskreisen. So könnten die Interessen des Unternehmens und die der Arbeitnehmer unter einen Hut gebracht werden. Beispiel Deutsche Post: Hier sitzt mit Walter Scheuerle auch ein Vertreter der Gewerkschaft im Vorstand des Unternehmens.

Als einziger für die Privatisierung

Bei Hansen gestaltet sich die Lage aber anders. Er wurde nicht von der Gewerkschaft selbst nominiert, und hat mit seinem Kurs im Zuge der Debatte um die Privatisierung der Deutschen Bahn heftige Kritik im Gewerkschaftslager hervorgerufen. Hansen hatte sich immer für eine Privatisierung ausgesprochen und stand damit im krassen Gegensatz zu den anderen Organisationen im DGB. "Das schadet dem Ansehen der Mitbestimmung", wird dementsprechend sein Verhalten in Gewerkschaftskreisen kritisiert.

An der Basis von Transnet ist die Entscheidung und auch der Zeitpunkt mit großer Verwunderung aufgenommen worden, heißt es bei der Bahn-Gewerkschaft. "Es stellen sich viele Fragen, die die Betriebsräte vor Ort beantworten müssen." Nachfolger von Hansen wird Lothar Krauß, der bislang Stellvertretender Vorsitzender von Transnet.

Für Hansen hat die "Beförderung" auch einen deutlichen Gehaltssprung zur Folge. Als Transnet-Chef verdiente er knapp 8000 Euro im Monat - als Arbeitsdirektor einer Bahn-Holding werden es deutlich mehr als eine Millionen sein. Der derzeitige Personalvorstand, Margret Suckale, bekam im vergangenen Jahr ein Salär von knapp 1,5 Millionen Euro. "Da tun sich einige Fragezeichen auf, die so schnell nicht zu beantworten sind", heißt bei einer anderen Mitgliedsgewerkschaft des DGB.

Mögliche Interessenskonflikte

Auch in der Politik macht sich Entrüstung über die Entscheidung breit: "Das stinkt zum Himmel", sagte der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann der "Frankfurter Rundschau". Die Personalie erkläre auch, "warum Hansen und seine Gewerkschaft jahrelang so handzahm mit dem Bahn-Vorstand zusammengearbeitet haben". Im Grunde habe Transnet "gewerkschaftliche Interessen verraten".

Der neue Bundesvorsitzende der Konkurrenzgewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, sprach vom "Ergebnis einer konsequenten Politik". Hansen habe die Fortsetzung der Beschäftigungssicherung bei der Bahn bis 2023 ohne jeglichen Inhalt als Erfolg verkauft und jetzt wechsele er in einen gut dotierten Job zur Arbeitgeberseite.

Für den SPD-Linken Björn Böhning sieht das "nach einer unschönen Verquickung von persönlichen und politischen Interessen aus", wie er der "Frankfurter Rundschau" sagte. Der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich sprach von einer "Belohnung für die Haltung, die Herr Hansen bisher gegenüber der Deutschen Bahn eingenommen hat". Hansen verbinde ein "weit über das normale Maß hinausgehendes Vertrauensverhältnis" mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer nannte Hansens Verhalten in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" "schamlos".

msg mit Agenturen