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LUFTVERKEHR: »CargoLifter«-Finanzierung hängt in der Luft

Vor der Hauptversammlung ist eines sicher: die Bankguthaben reichen nur noch bis Mai, zur Fortführung des Projektes fehlen aber noch 280 Millionen Euro.

Eine schlecht geheizte Werkshalle in der brandenburgischen Provinz wird an diesem Wochenende zum Treffpunkt für Flugabenteurer und Zeppelin-Nostalgiker aus der gesamten Republik. Der Luftschiffbauer CargoLifter hält auf seinem Werftgelände in der Kleinst-Gemeinde Brand bei Cottbus seine Hauptversammlung ab - am Samstag, damit die Anreise leichter fällt. Erwartet werden 5.000 Aktionäre. Und eine Entscheidung, wie es mit dem Unternehmen weiter geht. Denn derzeit hängt die Finanzierung des »Lastenhebers« in der Luft.

Neues Geld bitter nötig

Die CargoLifter AG ist dringend auf neues Geld angewiesen. Trotz Sparkurs reichen die Bankguthaben nur noch bis Mai. Vorstandschef Carl von Gablenz will deshalb von der Hauptversammlung eine Verdoppelung des Grundkapitals auf knapp 100 Millionen Euro genehmigen lassen. Außerdem sollen weitere Wandelanleihen ausgegeben werden, was bis zu 50 Millionen Euro bringen könnte. Über 150 Millionen Euro besteht die Zustimmung bereits.

Schon 300 Millionen verbraucht

Nach dem derzeitigen Kostenplan braucht CargoLifter noch mehr als 280 Millionen Euro für sein wichtigstes Projekt - den Bau eines 260 Meter langen Luftschiffs, das Schwerstlasten wie Brücken oder Triebwerke durch die Luft transportieren kann. Mehr als 300 Millionen Euro haben die 70.000 Aktionäre schon in das Vorhaben gesteckt.

Kritik häufte sich

In den vergangenen Wochen war Gablenz wieder einmal damit beschäftigt, Zweifel an der technischen Machbarkeit des CL 160 zu widerlegen. Das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« spottete über ein »Himmelfahrtskommando«. Die wichtigste Kritik: zu anfällig bei schlechtem Wetter, zu geringe Reichweite und zu hoher Kerosinverbrauch. Mit Unterstützung mehrerer Experten gelang es dem CargoLifter-Gründer, die Debatte schnell wieder zu beenden.

Wirtschaftsministerium dämpft Hoffnung

Schwerer tut sich Gablenz mit den finanziellen Angelegenheiten. Das Bundeswirtschaftsministerium dämpfte die Hoffnung auf ein baldiges Darlehen vom Bund in Höhe von 300 Millionen Euro. Frühestens in zwölf Monaten kann der Luftschiffbauer mit dem Geld rechnen. Außerdem klagt das Ministerium über fehlende Unterlagen. Auch die Entscheidung über die Bewilligung einer schon einmal genehmigten Bürgschaft über 67 Millionen Euro lässt noch auf sich warten. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat dafür bislang keinen Termin.

Mit dem Rücken zur Wand

Umso mehr werden die Aktionäre nun wissen wollen, wo das Geld aus dem privaten Bereich herkommen soll. Mittelfristig strebt CargoLifter eine Mischung aus der Beteiligung strategischer Investoren, öffentlicher Förderung und Krediten an. »Aber die Kapitalerhöhung käme zu einem schwierigen Moment«, warnt Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. »Beim derzeitigen Kurs von rund 4,30 Euro wird nicht viel zu erzielen sein. Und jeder weiß, dass CargoLifter mit dem Rücken zur Wand steht.«

Bleibt es beim Zeitplan?

Aufschluss wird in Brand auch über den weiteren Terminplan erwartet. Trotz der Finanzprobleme hält CargoLifter bislang daran fest, dass der erste Prototyp des Luft-Frachters 2004 fertig sein wird. So dass die Aktionäre bei der übernächsten Hauptversammlung in der brandenburgischen Provinz den CL 160 endlich auch in Originalgröße betrachten könnten - wenn es beim Zeitplan bleibt.

Christoph Sator