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LUFTVERKEHR: Erfolgreich in der Krise

Obwohl die zivile Luftfahrt seit den Anschlägen des 11. September in einer tiefen Krise stecken, fliegt eine US-Airline weiter mit Gewinn: Southwest Airlines.

Als am 11. September 2001 die Terroranschläge von New York und Washington die Welt erschütterten, steckte die zivile Luftfahrt bereits tief in der Krise. US-Fluggesellschaften litten unter der schwierigen Wirtschaftslage, Touristen und vor allem die lukrativen Geschäftsreisenden machten sich als Kunden rar. Nur eine einzige US-Gesellschaft rutschte nicht in rote Zahlen ab: Southwest Airlines in Dallas, ein unorthodoxes Unternehmen mit einer inzwischen 31 Jahre währenden Erfolgsgeschichte.

American machte Riesenverlust

American Airlines zum Beispiel, die größte Fluggesellschaft der Welt, flog im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Dollar Verlust ein. American musste rund 11.000 Angestellte entlassen und rechnet auch für dieses Jahr wieder mit Verlust. Southwest dagegen machte 2001 einen Nettogewinn von 511 Millionen Dollar und kündigte für dieses Jahr sogar die Einstellung von weiteren 4.000 Mitarbeitern an. Während andere Kaufverträge für neue Jets im Dutzend stornierten, orderte Southwest zwei weitere Boeings für seine Flotte.

Kurzstrecke mit vollen Fliegern

Wie lautet das Erfolgsrezept von Southwest? »Wir fliegen meist Kurzstrecken, mit hoher Frequenz zwischen den Städten und mit vollen Flugzeugen«, sagt Southwest-Sprecher Ed Stewart. »Daher operieren wir mit niedrigeren Kosten als andere und unsere Billigpreise garantieren uns stetige Kundschaft«. Ein Beispiel für die Unternehmenspolitik: Southwest fliegt nur einen einzigen Typ, die Boeing 737. Das reduziert unter anderem das Training für Piloten und Mechaniker und macht die Wartung der Maschinen sehr viel einfacher und damit billiger. Die Boeings sind im Schnitt nur rund acht Jahre alt.

Seit 19 Jahren mit Profit

Southwest Airlines startete im Juni 1971 mit ganzen drei Jets und bot Verbindungen zwischen Dallas, Houston und San Antonio. Seit 1973 fliegt Southwest mit Profit. Heute ist die Airline die fünftgrößte in den USA, hat mehr als 33.000 Mitarbeiter und unterhält zur Zeit 355 Boeing 737. Southwest bietet 2.700 Flüge pro Tag aus 58 Städten, von Washington/Baltimore an der Ostküste bis San Diego in Kalifornien. Doch das Hauptgewicht liegt weiter auf den Kurzflügen im Südwesten der USA. Der Durchschnittsflug bei Southwest geht über nur 750 Kilometer. Der Durchschnittskunde bei Southwest bezahlt einen Preis von nur 83 Dollar für sein Ticket.

Ein wenig 'alternativ'

»Wir wollten von Anfang an ein wenig alternativ sein«, erzählt Ed Stewart. »Unsere Flugbegleiter tragen bunte Hemden und Jeans und wir nehmen alles locker und leger. Es gibt keine Platzkarten, sondern jeder setzt sich dorthin, wo er will«. Southwest war zudem eine der ersten Fluggesellschaften mit dem so genannten »ticketless travel«, dem Reisen ohne Papierflugschein und die allererste mit einer Internetseite. Und Southwest bot als erste US-Airline den Mitarbeitern durch Aktien eine Beteiligung am Unternehmen an. 40 Prozent des Umsatzes von Southwest werden durch Buchungen über das Internet erzielt.

Branche hofft auf Aufwind

Während Southwest prosperiert, hoffen die übrigen Airlines wieder auf Aufwind. Die reale Zahl der Entlassungen in der Branche wird heute auf rund 80.000 geschätzt, niedriger als man nach dem 11. September befürchtet hatte. Etliche Gesellschaften holen bereits Entlassene zurück. Die Kunden müssen nun abwarten, wie sich die Preisgestaltung entwickeln wird. Während es bei US-Inlandsflügen viele lockende Sonderangebote gibt, muss man für Interkontinentalflüge etwa nach Europa bis zu 30 Prozent mehr hinblättern als vor der Krise.

Jörg-Michael Dettmer