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Luxus-Handys: Raus aus der kleinen Nische

Bislang sind teuere Luxus-Handys ein Nischenprodukt, das eigentlich nur die Nokia-Tochter Vertu bedient. Doch das wird sich schnell ändern - das dämmert auch Platzhirsch Vertu, denn Nobelmarken wie Prada entdecken ihr Herz für den mobilen Luxus.

Von Astrid Maier

"Wir haben bewiesen, dass es überhaupt einen Markt für Luxushandys gibt. Wir stecken aber noch in den Kinderschuhen. Das Geschäft hat das Potenzial, sich langfristig ähnlich wie das mit Luxusuhren zu entwickeln", sagte Alberto Torres im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (FTD). Der Markt für besonders teure Uhren ist nach Schätzung des Bankhauses Vontobel jährlich 16,5 Milliarden Euro schwer.

Ein Faktor, der das Luxushandy-Geschäft antreiben werde, sei der sich abzeichnende zunehmende Wettbewerb. "Derzeit sind wir der einzige ernstzunehmende Player. In den kommenden drei Jahren sage ich mindestens drei bis vier neue große Anbieter voraus", sagte der Manager. Als mögliche Rivalen sieht Torres dabei sowohl andere Handyhersteller als auch Unternehmen aus der Luxusbranche in das Geschäft einsteigen. Vertu ist eine Tochter des weltgrößten Handyherstellers Nokia aus Finnland. Das billigste Vertu-Handy ist in Europa für 3500 Euro zu haben, Modelle in der Diamantenkollektion kosten rund 65.000 Euro.

Weniger als 100.000 Telefone pro Jahr

Noch führt das Geschäft mit Luxushandys ein Nischendasein. So stellt Vertu nach Angaben Torres' jährlich weniger als 100.000 Telefone her - ein Bruchteil des Jahresausstoßes von Nokia. Das Vertu-Geschäft wuchs im vergangenen Jahr jedoch um 160 Prozent. "Wir werden auch in den kommenden Jahren mit dreistelligen Zuwachsraten zulegen", sagte Torres. Zum Vergleich: Die Gesamterlöse von Nokia mit Handys legten 2006 im Verhältnis zum Vorjahr um 19 Prozent zu. Außerdem liegen die Margen in dem Geschäft weit höher. Nokia weist keine separaten Zahlen der Tochter aus.

Exklusive Handys werden angesichts dieser Wachstumsraten auch für Luxusmarken attraktiv. Das italienische Modehaus Prada etwa brachte ein Telefon zusammen mit dem koreanischen Handybauer LG auf den Markt. Zudem spekuliert die Branche derzeit, der Schweizer Uhrmacher Tag Heuer werde demnächst ein eigenes Mobiltelefon der Luxusklasse vorstellen. Tag Heuer gehört zum weltgrößten Luxuskonglomerat LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton).

Auftrieb für die Branche erhofft sich Torres ausgerechnet von dem soeben in den USA lancierten iPhone von Apple - obwohl sich die Wünsche der iPhone-Kunden von denen der Vertu-Kunden grundsätzlich unterscheiden. Denn während die einen besonders viele Funktionen in einem Gerät wünschten, benutzten Vertu-Kunden das Handy hauptsächlich zum Telefonieren und SMS-Schreiben und legten Wert auf die exklusive Verarbeitung und edle Rohstoffe, sagte Torres. "Das iPhone ist dennoch eine sehr positive Entwicklung. Wenn Kunden damit die Bereitschaft entwickeln, 500 Dollar für ein Handy zu bezahlen und sich zugleich an einen Vertrag zu binden, können wir nur davon profitieren", sagte der Manager. So würden die Nutzer eher "erlernen", auch mehrere Tausend Dollar für ein Mobiltelefon zu bezahlen. Die USA sind mit Zuwachsraten von 200 Prozent Vertus am schnellsten wachsender Markt.

"Werden auch wieder ein Tief erleben"

Die größte Herausforderung sei derzeit, "die massiven Liefer- und Produktionsengpässe sowie die Ausbildung von Mitarbeitern zu bewältigen", sagte Torres. Denn viele Zulieferer, etwa des Rohstoffs Gold, sind auch für die Uhrenbranche tätig - die ebenso eine Boomphase erlebt und unter Produktionsengpässen leidet. Der nun schon seit Jahren anhaltende Boom in der Luxusindustrie wird sich laut Torres allerdings abkühlen: "Wir werden auch wieder ein Tief erleben." Doch die Marktbedingungen hätten sich, seit es in China, Indien und Russland wohlhabende Schichten gebe, für die Branche zum Positiven geändert.

FTD