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Luxuslimousinen: Rolls-Royce schwächelt

Die Nobelmarke Rolls-Royce beschert dem Autobauer BMW derzeit wenig Glanz und Glamour. Für den Rolls-Royce Phantom fanden sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur 464 gut betuchten Käufer - 21 weniger als im Vorjahr.

Absatzziele für seine Nobelmarke Rolls Royce formuliert BMW mittlerweile mittlerweile nur noch recht vage. Branchenkenner zeigen sich wenig überrascht von der eher flauen Nachfrage nach Autos der obersten Luxus- und Preisklasse. "Der Markt wurde von allen Teilnehmern leicht überschätzt", sagt Automobilexperte Georg Stürzer von der HypoVereinsbank. Bis BMW mit dem Projekt um die britische Luxus-Limousine die Gewinnschwelle erreiche, dürfte es also noch ein Weilchen dauern.

1998 hatte sich der weiß-blaue Autobauer die Rechte an Rolls-Royce nach einem spektakulären Bietergefecht gegen Volkswagen zu einem vergleichsweise günstigen Preis gesichert. Die Schwestermarke Bentley blieb für deutlich mehr Geld bei VW. Nach Produktionsanlauf des Rolls-Royce Phantom im Jahr 2003 gab sich der Konzern optimistisch: Rund 1000 der meist nach persönlichen Kundenwünschen und großteils in Handarbeit gefertigten Luxuskarossen wollte das Unternehmen schon im vergangenen Jahr verkaufen - am Ende wurden es knapp 800 Phantom.

Vorjahreszahlen kaum mehr zu erreichen

Für den neuen Rolls-Royce-Chef Ian Robertson noch kein Grund zur Sorge. Die Marke von 1000 werde man "irgendwann erreichen, daran halten wir fest", sagte der Brite, der das Steuer bei der Luxusmarke im Februar dieses Jahres übernommen hatte, kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Und mit den rund 800 Rolls-Royce Phantom habe man im vergangenen Jahr eine "großartige Zahl, die beste für Rolls-Royce seit langem" erreicht. Mit einer ähnlichen Größenordnung sei für dieses Jahr zu rechnen. Doch nach den ersten neun Monaten ist von dieser Wegstrecke nur gut die Hälfte geschafft.

Bei BMW hofft man wie im vergangenen Jahr auf einen Schlussspurt zum Jahresende. Auch 2004 verkaufte das Unternehmen gut 300 Rolls-Royce Phantom alleine in den letzten drei Monaten. Da sich im Haupt-Absatzmarkt USA vor allem wohlhabende Banker und andere Manager einen Rolls zulegen, bringe die Auszahlung von Boni zum Jahresende traditionell den Markt in Schwung, sagt ein BMW-Sprecher. Von der teils schleppenden Konjunktur in Europa lässt sich der erlesene Kundenkreis nach Einschätzung des Konzerns nur wenig beeindrucken. "Die Käufer haben in der Regel schon sieben oder acht andere Autos, bei denen geht es darum: Kaufe ich eine Yacht oder einen Rolls-Royce", sagt der BMW-Sprecher.

Spekulation um einen "Billig-Rolls"

Um die 380.000 Euro kostet ein Phantom, damit spielt er in einer Liga mit dem Maybach. In Deutschland gönnen sich pro Jahr nur rund 50 Kunden diese Investition, sagt Händler Rüdiger Czakert, der über seine Firma "Auto König" auch andere Edelmarken wie Bentley, Maserati, Lamborghini und Ferrari vertreibt. "Der Rolls-Royce ist einfach ein Auto, das sich nur eine gewisse Elite kauft, da gehört schon ein bissl Mut dazu." Seit der Automobilmesse IAA habe sich die Nachfrage wieder deutlich belebt. Neben der Erben-Generation zählt der Automobilhändler vor allem Medien-Manager und Unternehmer, die sich zum Wechsel in den Ruhestand einen Jugendtraum erfüllen wollen, zu den typischen Kunden.

In einigen Jahren könnte auch ein etwas schmaleres Budget ausreichen, um einen Rolls zu erstehen. Branchenexperten halten Spekulationen über Pläne für ein neues, deutlich günstigeres Modell für realistisch, obwohl BMW dies bisher nicht offiziell bestätigen will. Nach Einschätzung des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer wäre ein "kleiner" Rolls-Royce zu Preisen zwischen 180.000 und 220.000 Euro eine sinnvolle Ergänzung. "Damit erschließt man Nachfragepotenzial." Allerdings gelte es, Eigenständigkeit zu wahren. "Einfach nur eine abgestrippte Version zu liefern, sozusagen mit weniger Ausstattung, wäre völlig falsch", meint der Experte.

Christine Schultze/DPA / DPA