Mannesmann-Prozess Der Prozess geht in eine neue Runde


Der Bundesgerichtshof gab bekannt, dass er über die umstrittenen Freisprüche im Mannesmann-Prozess neu verhandeln wird.

Es war eines der spektakulärsten deutschen Wirtschaftsverfahren: In dem Prozess um Millionenprämien bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunker Vodafone hatte das Düsseldorfer Landgericht im vergangenen Jahr die Angeklagten freigesprochen.

Auf der Anklagebank saßen damals neben dem Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und dem ehemaligen Mannesmann-Konzernchef Klaus Esser auch der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk.

Die deftigen Prämien waren nach der Übernahme des Düsseldorfer Konzerns Mannesmann durch dessen britischen Konkurrenten Vodafone geflossen. Ackermann und seinen Mitangeklagten wurde vorgeworfen, durch die Zahlung der Prämien Aktionärsvermögen veruntreut zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb bis zu dreijährige Haftstrafen ohne Bewährung gefordert - vergeblich.

Die Millionenprämien bei der Mannesmann-Übernahme blieben auch nach dem Freispruch in der Kritik. "Zu den sieben Todsünden gehört die Maßlosigkeit", hatte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, die Haltung Ackermanns und seiner Mitangeklagten kritisiert. Die "Selbstbedienung" bei Mannesmann sei moralisch nicht zu rechtfertigen und "schlicht unanständig", sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Der DGB meinte, letztlich habe die Gier der Manager vor Gericht gestanden.

Zudem heizten die Freisprüche die Kritik an der Höhe der Manager-Gehälter in Deutschland an. Für weiteres Aufsehen sorgte, dass Ackermann vor einer Verhandlung das Victory-Zeichen machte, als er auf Esser traf. In der Öffentlichkeit entstand das Bild des überheblichen und arroganten "bösen Kapitalisten".

Die Bundesanwaltschaft und die Düssedorfer Staatsanwaltschaft fordern eine Wiederaufnahme des Prozesses. Im Revisionsverfahren, dass im Oktober an zwei Verhandlungstagen stattfand, ließ der Bundesgerichtshof durchblicken, dass es Zweifel an den Freisprüchen hat. Das Urteil wird am 21. Dezember verkündet.


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