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Maybrit Illner: Yes, we Kahn

Wirtschaftskrise, Milliardenschulden, Opel im Eimer - da muss ein Mann ran, der schon häufiger das Schlimmste verhindert hat: Olli Kahn, Ex-Nationaltorhüter, Ex-Ehebrecher. Und tatsächlich: Kahn spendete bei Maybrit Illner mehr Trost als Wirtschaftsminister zu Guttenberg.

Von Mandy Schünemann

Hilft Optimismus aus der Krise? Das war die Frage, die ZDF-Talkerin Maybrit Illner in ihrer Sendung diskutierte. Und in der Mitte, zwischen Politikern und Experten, saß ein Mann, dessen Ausspruch "Weiter, immer weiter!" zum persönlichen Markenzeichen geworden ist: Oliver Kahn, 39, Ex-Nationaltorhüter. Es war nicht zu erwarten, dass er über die kalte Progression spricht. Es war auch nicht zu erwarten, dass er das Abstimmungsergebnis über das Konjunkturpaket II im Bundesrat vorhersagt. Aber dass er den Zuschauern ein "Yes, we Kahn" entgegen schmettern würde, ja, das war zu erwarten.

Und der Kahn-Titan enttäuschte nicht. Gerade der Sport bringe einem viele Dinge bei, sagte er. Beim Fußball habe er viele Erfolge und Emotionen erlebt, aber auch Niederlagen, die "irgendwie" dazu gehörten. Er habe Rückstände bewältigen müssen und Frust verspürt. Aber das Entscheidende sei, trotzdem immer wieder aufzustehen und immer wieder Mut zu schöpfen. Eigentlich seien Krisensituationen "immer Situationen, die ein starkes Wachstum in einem Menschen hervorrufen können, wenn er versucht, sie zu bewältigen, sie zu verarbeiten, daraus zu lernen."

Guttenberg vs. Brüderle

Yes, we Kahn. Verliert die Wirtschaft, wächst der Mensch. Das war ein Quantum Trost für all jene, die leider keine Millionen im Fußball verdient haben und nun um ihren Job, um die Ausbildung ihrer Kinder, um ihr Auto und ihr Haus bangen müssen. Steht auf! Macht weiter! Ihr werdet wachsen!

Auch Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg versuchte sich in der Rolle des Gute-Laune-Onkels. Er sei ein "unerschütterlicher Optimist", gab er zu Protokoll. Natürlich kann sich auch ein Guttenberg diesen Optimismus leisten, schließlich entstammt er einer sehr wohlhabenden Familie. FDP-Vize Rainer Brüderle würde diesen Optimismus gerne breiter unters Volk streuen und forderte deshalb wieder einmal kräftige Steuersenkungen. Guttenberg, der das eigentlich auch will, aber seit seinem Eintritt ins Kabinett nicht mehr laut fordern darf, musste ausweichen. "Der Mittelstand ist im Fokus", sagte Guttenberg. Und hängte noch etwas Unverbindliches über Entlastung und Vertrauen an. Wird die FDP nun dem Konjunkturpaket II im Bundesrat zustimmen? Brüderle sagte nichts Definitives. Er ließ Guttenberg lieber das neue Machtbewusstsein der Liberalen spüren.

Politik im Mundwinkel

Olli Kahn, der seine Wachstums-Kanonade gleich zu Beginn der Sendung verschossen hatte, mochte sich an den politischen Details nicht abarbeiten. Ab und zu wechselte er ein Wort mit den anderen beiden Gästen, der Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler und dem britischen Journalisten Roger Boyes. Ansonsten schaute er in die Runde. Halb interessiert, halb gelangweilt, die Mundwinkel senkten sich. Schließlich stellte ihm Illner die Gretchenfrage. Ob er jemals erwogen habe, in die Politik zu gehen, wollte sie wissen. "Schwierig", retournierte der Titan. "Ich glaube, es ist ein bissel schwierig für mich, dieses ständige Kompromisse finden. Sehr anstrengend."

Mitarbeit: lk