MEDIEN Springer überlegt Insolvenzantrag gegen Kirch


Der Verlag prüft die Vorbereitung einer Leistungsklage gegen die angeschlagene Kirch-Gruppe, falls diese nicht die geforderten 767 Millionen Euro für Senderanteile zahlt.

Der Axel Springer Verlag prüft, einen Insolvenzantrag gegen die schwer angeschlagene Münchner Kirch-Gruppe zu stellen. Dabei geht es um 767 Millionen Euro, die Springer für seine Anteile an der zu Kirch gehörenden ProSiebenSat.1 AG fordert. Angesichts der Äußerungen der Kirch Gruppe sieht sich der Verlag gezwungen, eine Leistungsklage vorzubereiten, sagte Sprecherin Edda Fels am Samstag. Falls kurzfristig keine Erfüllung der Forderung erfolgt, muss die Klage eingereicht werden.

Trotzdem gesprächsbereit

Die Sprecherin bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«. Sie betonte aber, dass der Verlag jederzeit zu Gesprächen mit der Kirch-Gruppe und ihren Gläubigern über eine Gesamtlösung bereit ist.

Streit tobt seit Januar

Der Axel Springer Verlag pocht auf eine so genannte Put-Option, für seine 11,5-prozentige Beteiligung an der Fernsehsendergruppe. Darüber tobt seit Ende Januar ein offener Streit. Die Kirch-Gruppe erkennt die Vereinbarung aus dem Jahr 2000 nicht an, weil nach ihrer Auffassung wesentliche Vertragsteile nie notariell beurkundet wurden. Springer beharrt auf den Fixpreis, der weit über dem derzeitigen Börsenwert des Anteils liegen dürfte.

Kommt nun Privatfonds?

Die Kirch-Gruppe hält gleichzeitig einen 40-Prozent-Anteil am Axel-Springer-Verlag. Laut »Spiegel« hat der Verlag eine Bank eingeschaltet, um unter reichen deutschen Familien Interessenten für einen Privatfonds zu finden, der die Anteile übernehmen soll. Auch Verlagskreisen verlautete jedoch, dass man nach wie vor eine so genannte Bankenlösung favorisiert. Die Hypovereinsbank hatte erst kürzlich 1,1, Milliarden Euro für Kirchs Springer-Anteile geboten.

Banken haben das Sagen

Der hoch verschuldete Münchner Medienkonzern ist vom Wohlwollen seiner Gläubigerbanken abhängig. Medienberichten zufolge muss der Konzern den Banken bis kommenden Montag ein umfassendes Sanierungskonzept vorlegen. Neben einem weit reichenden Stellenabbau wurde mit der Schließung defizitärer Lokalsender in München, Berlin und Hamburg gerechnet. Die Kreditlinie Kirchs von 7,3 Milliarden Euro bei den Banken soll nahezu ausgeschöpft sein.


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