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Medienbericht: Siemens soll Wirtschaftsprüfer behindert haben

Seit der Schmiergeldskandal bei Siemens mit einer Großrazzia 2006 publik geworden ist, werden ständig neue Details der Affäre bekannt. So sagte nun ein Mitarbeiter der Wirtschaftprüfungsfirma aus, Siemens habe seine Nachforschungen abwürgen wollen.

Der Siemens-Konzern soll einem Zeitungsbericht zufolge die Arbeit der Wirtschaftsprüfer im eigenen Haus vor der Aufdeckung der Schmiergeldaffäre erschwert haben. Ein Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG habe als Zeuge bei der Münchner Staatsanwaltschaft ausgesagt, Siemens habe im April 2006 eine konzerninterne Finanzprüfung gestoppt, berichtet die "Süddeutschen Zeitung". Außerdem habe Siemens Nachforschungen der KPMG abwürgen wollen, so der Verdacht des Zeugen.

Ein Siemens-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern und verwies auf die laufenden Ermittlungen und Untersuchungen. Auch eine KPMG-Sprecherin wollte keinen Kommentar abgeben. Der Schmiergeldskandal bei Siemens war mit einer Großrazzia im November 2006 publik geworden. Seitdem werden ständig neue Details der Affäre bekannt.

Arbeit monatelang blockiert

Über eine Schweizer Tochter des Konzerns seien bereits zwischen 2002 und Anfang 2006 fragwürdige Zahlungen in Höhe von 43,5 Millionen Schweizer Franken (rund 26 Mio Euro) geflossen, berichtete das Magazin "Der Spiegel" am Wochenende. Betroffen sei vor allem die ehemalige Mobilfunksparte (ICM) des Konzerns. Dies gehe aus einem bisher unveröffentlichten Bericht von KPMG hervor, die Anfang 2006 die Intercom Telecommunications Systems durchleuchten sollte.

Nach Erkenntnissen der KPMG habe Intercom hauptsächlich die Aufgabe gehabt, Beraterverträge mit dubiosen Geschäftspartnern zu verwalten, heißt es im "Spiegel". Mutmaßliche Siemens-Schmiergelder seien dem 119-seitigen Bericht zu Folge über die Intercom mit Hilfe von Briefkastenfirmen in Liechtenstein, Panama und den British Virgin Islands an Empfänger in aller Welt geschleust worden.

Dem Zeitungsbericht zufolge hatte der KPMG-Prüfer als Zeuge ausgesagt, Verwaltungsratsmitglieder der Intercom hätten Anfang 2006 eine Untersuchung veranlasst. Daraufhin habe KPMG einen Sonderbericht mit dem Titel "Opera" anfertigen wollen. Die zuständige Siemens- Abteilung Compliance habe aber die Arbeit der KPMG monatelang blockiert und sogar den Auftrag erteilt, "Opera" nicht fertigzustellen. KPMG habe Einwände vorgetragen, sei bei Compliance jedoch auf taube Ohren gestoßen.

KPMG hatte jahrelang für Siemens gearbeitet. Inzwischen sieht sich der krisengeschüttelte Elektrokonzern nach einem neuen Wirtschaftsprüfer um. Für das laufende Geschäftsjahr soll zwar noch einmal KPMG das Testat ausstellen, für das Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) wird der Auftrag aber neu ausgeschrieben. Eine Schuld an der Misere gibt Siemens KPMG aber ausdrücklich nicht.

DPA / DPA