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Mittal-Fusion: Arcelor-Aktionäre geben grünes Licht

Nach langer, heftiger Gegenwehr und vielen Finten haben jetzt die Aktionäre des luxemburgischen Stahlkonzerns mit 57,94 Prozent des Kapitals doch für eine Fusion mit dem indischen Stahlkonzern Mittal Steel votiert.

Der Fusion der Stahlkonzerne Mittal Steel und Arcelor steht nichts mehr im Wege: Die Aktionäre des luxemburgischen Stahlkonzerns stimmten am Freitag mit mit 57,94 Prozent des Kapitals gegen ein Zusammengehen mit dem russischen Stahlkocher SeverStal - und gaben damit grünes Licht für die Entstehung des neuen weltgrößten Stahlriesen "Arcelor Mittal". Mit dem negativen Votum wird der Ende Mai geschlossene Vertrag mit SeverStal rückgängig gemacht. Arcelor muss nun 140 Millionen Euro Strafe an SeverStal-Eigentümer Alexej Mordaschow zahlen. Arcelor hatte sich nach einem fast fünfmonatigen Abwehrkampf gegen Mittal Steel vor wenigen Tagen mit dem Branchenprimus auf eine Fusion geeinigt.

Verbessertes Angebot nochmals aufgestockt

Das verbesserte Angebot des indischen Stahlmilliardärs Lakshmi Mittal, das in der vergangenen Woche noch einmal aufgestockt worden war, sei dem von SeverStal "pauschal überlegen" gewesen, begründete Arcelor-Verwaltungsratsvorsitzender Joseph Kinsch den Kurswechsel des Unternehmens auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Luxemburg. Durch eine Fusion der beiden weltgrößten Stahlkonzerne Arcelor und Mittal Steel entsteht eine neue unangefochtene Nummer eins mit einer Kapazität von 120 Millionen Tonnen Stahl und einem Jahresumsatz von 57 Milliarden Euro.

Kinsch bestritt, dass die Fusion mit dem langjährigen Partner SeverStal von Arcelor geplant worden sei, um das Angebot von Mittal hochzupokern. SeverStal sei Ende Mai das "beste Projekt für uns, das uns vorlag" gewesen, sagte Kinsch. Er gebe aber zu, dass die Offerte von Mordaschow "ein Katalysator für Mittal war". Dies sei aber keineswegs die Absicht von Arcelor gewesen.

Hohe Synergien erwartet

Das neue Angebot von Mittal vermittele mit mehr als 25 Milliarden Euro nun den "richtigen Wert" von Arcelor, sagte Kinsch. Zudem seien darin Arcelors Industrie- und Wertschöpfungsplan festgeschrieben. "Arcelor Mittal" verbinde "zwei Aktivitäten, die starke Leidenschaft für Stahl und die Vision auf eine erforderliche Konsolidierung in der Stahlindustrie." Der Kampf sei lang und hart gewesen, "um uns zu verteidigen", aber erfolgreich, sagte er.

Arcelor rechne sich bei einem Zusammenschluss mit Mittal Synergien in Höhe von 1,3 Milliarden Euro im Jahr aus. Dies sei doppelt so viel wie bei einer Fusion mit SeverStal, sagte Roland Junck, Mitglied der Generaldirektion. Die Angleichung der Mittal-Anlagen an das Niveau von Arcelor werde drei bis fünf Jahre dauern. Kinsch empfahl den Aktionären, die Offerte von Mittal anzunehmen und versprach eine künftige Ausschüttung von 30 Prozent der Konzerngewinne. Die Frist des Übernahmeangebots von Mittal wurde vom 5. auf den 12. Juli verlängert.

Fusion bis Ende des Jahres abgeschlossen

Im Vorfeld der Versammlung hieß es, eine Ablehnung der SeverStal-Fusion sei auf diesem Weg nicht möglich, weil bislang in Hauptversammlungen meist nur ein Drittel des Kapitals anwesend war. Für diese Entscheidung war aber ein Quorum von mehr als 50 Prozent notwendig. "Wir haben diese große Hürde angesetzt, um möglichst viele Aktionäre zu mobilisieren", sagte Kinsch. Mit Erfolg: 60,43 Prozent waren anwesend. Arcelor will die Fusion mit Mittal bis Ende des Jahres abgeschlossen haben. Zuvor werde das Unternehmen auch an der Börse in New York notiert, hieß es.

DPA / DPA