Nach dreistelligem Millionenverlust IKB prüft Klagemöglichkeiten gegen Goldman Sachs


Die Mittelstandsbank IKB prüft derzeit die Möglichkeit einer Klage gegen die unter Betrugsverdacht stehende US-Bank Goldman Sachs. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Goldman Sachs vor, Anleger bei Investments in riskante Papiere bewusst getäuscht zu haben.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs gerät wegen angeblich unsauberer Geschäfte vor der Finanzkrise nun auch in Deutschland unter Beschuss. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB prüft die Möglichkeit einer Klage gegen Goldman Sachs, wie eine Sprecherin am Montag sagte. Die IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding hatte Papiere des Goldman-Fonds gekauft, der mit dem Platzen der US-Immobilienblase massiv an Wert verloren hat. Laut Klageschrift der US-Börsenaufsicht SEC gingen der IKB dabei fast 150 Millionen Dollar verloren. Dem Bundesfinanzministerium zufolge prüft auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin die Aussichten, Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Der deutsche Staat und die anderen Banken hatten die IKB als erstes Institut zu Beginn der Finanzkrise mit Milliardenbeträgen vor dem Aus retten müssen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) informiere sich bei der SEC über die am Freitag bekannt gewordenen Vorwürfe, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die IKB sei nach jetzigem Kenntnisstand das einzige davon betroffene deutsche Institut. Eine IKB-Sprecherin sagte, die Bank werde sich die Unterlagen der SEC sorgfältig anschauen und eventuelle rechtliche Schritte prüfen.

"Es ist nur konsequent, wenn jetzt Schadenersatzansprüche geprüft werden", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Meister, dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). "Der Bund war der größte Minderheitsaktionär bei der IKB. Wenn man jetzt Verantwortliche dingfest machen könnte, an die sich Schadensersatzansprüche des Bundes oder der KfW richten, sollten wir das dringend ausnutzen." Auch der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, forderte, die Möglichkeiten auszuschöpfen, Schadenersatz "von den Banken zu erhalten, die mit betrügerischen Methoden zum Niedergang der IKB beigetragen haben". Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs gab zu bedenken, dass die rechtlichen Hürden sehr hoch seien.

Die SEC wirft Goldman Sachs vor, Anleger bei den Investments in Schuldenpapiere, die mit US-Immobilienkrediten unterlegt waren (CDOs), bewusst über die unterschiedlichen Interessen getäuscht zu haben. Der Hedgefonds-Manager John Paulson hatte laut SEC an der Zusammenstellung des Portfolios mitgewirkt und zugleich auf den Zusammenbruch des US-Häusermarktes gewettet. Insgesamt sei rund eine Milliarde Dollar Schaden entstanden. Die Bank weist die Vorwürfe zurück.

Reuters Reuters

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