HOME

Nach Stresstest: Bankwerte schieben die Börsen an

Erleichterung in ganz Europa: Obwohl der Stresstest für die Banken von Experten als zu lasch kritisiert wurde, haben die Börsen positiv reagiert. Die Angst der Anleger vor zu hohen Risiken scheint verschwunden.

Die europäischen Stresstests haben den Investoren offenbar die Furcht vor neuen Milliardenrisiken in den Büchern der Banken genommen. Trotz aller Kritik an der Belastungsprobe für 91 Geldhäuser herrschte europaweit Erleichterung, dass negative Überraschungen ausgeblieben sind. Finanzwerte gehörten zu den größten Gewinnern an den Börsen, und auch der Euro zog an. Das Bundesfinanzministerium sprach von einem sehr ermutigenden Signal, dass die Ziele der Tests angesichts der Marktreaktion offenkundig erreicht wurden.

Mit der Testaktion hatten die Regierungen das Vertrauen in das europäische Finanzsystem stärken wollen. Für Verunsicherung sorgte lediglich die Deutsche Bank, die anders als viele Wettbewerber ihr Engagement in europäischen Staatsanleihen nicht offenlegte. Ein Sprecher signalisierte indes, dass der Branchenprimus dies bei den Quartalszahlen am Dienstag nachholen werde. Bis Ende März war das Engagement des größten deutschen Geldhauses in Anleihen hoch verschuldeter Staaten am Rande Europas vernachlässigbar.

Große Mengen an einheitlichen Daten

"Aus unserer Sicht war der Stresstest sehr hilfreich, denn er hat eine riesige Menge an neuen und einheitlichen Daten von den Banken geliefert", betonte ein bei Goldman Sachs für die europäische Konjunktur zuständiger Analyst. Das Finanzsystem Europas stehe demnach besser da als viele gedacht hätten. Der Test sollte trotz aller berechtigter Kritik an der Ausgestaltung helfen, die Schuldenlage Spaniens besser einzuschätzen, schrieben die Analysten von Morgan Stanley. Insofern sollten die Ergebnisse den europäischen Banken sowohl bei der Refinanzierung helfen als auch beim Börsenwert.

"Der Stresstest war nach unserer Einschätzung scharf genug, um ernst genommen zu werden", kommentierten die Experten von Credit Suisse. Die Transparenz, die nun geschaffen worden sei, sei beeindruckend. In den vergangenen Wochen waren die Kriterien des Tests oft als zu lax kritisiert worden. Dies nährte Zweifel, dass mit den Prüfungen das Vertrauen in das krisengeschüttelte Finanzsystem zurückkehren kann.

Sieben Banken hatten den am Freitagabend nach Börsenschluss veröffentlichten Belastungstest nicht bestanden, darunter die Hypo Real Estate als einziges der 14 getesteten deutschen Institute. Dies war an den Märkten ebenso erwartet worden wie das Scheitern von fünf spanischen Sparkassen und der griechischen ATEbank. Getestet wurden die Folgen einer Rezession und eines Wertverfalls an den Anleihe- und Aktienmärkten auf die Kapitalausstattung der Banken.

Nur Deutsche-Bank-Aktien unter Druck

Auf freiwilliger Basis veröffentlichten die meisten Häuser mit den Ergebnissen der Stresstests auch ihr Engagement in europäischen Staatsanleihen. In Deutschland verzichteten Deutschen Bank, Postbank, die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ und WGZ Bank, die Landesbank Berlin und die durchgefallene Hypo Real Estate auf solche Angaben. Die Finanzaufsicht Bafin betonte, sie habe keine rechtlichen Möglichkeiten, die Institute zur Bekanntgabe der Daten zu zwingen. "Unabhängig von der Veröffentlichung der Testergebnisse wissen die Aufseher natürlich genau, wie die Bestände der Banken aussehen", hieß es in Aufsichtskreisen.

Beim Generalsekretär des Ausschusses der Bankenaufseher CEBS, Arnoud Vossen, stieß die Weigerung der Institute dennoch auf Missfallen. "Wir waren uns mit allen Aufsichtsbehörden und mit den teilnehmenden Banken einig, dass die Staatsrisiken Bank für Bank veröffentlicht würden", sagte er der "Financial Times". Vossen will dies dem Bericht zufolge mit den deutschen Behörden besprechen.

Deutsche-Bank-Aktien gerieten gegen den Branchentrend in Europa unter Druck und verloren rund ein Prozent, was Händler unter anderem mit der Unsicherheit über das Anleihe-Engagement begründeten. Im Unterschied dazu waren im europäischen Leitindex Stoxx50 die Papiere von ING und Societe Generale mit einem Plus von bis zu 3,6 Prozent Spitzenreiter. Selbst die Aktien der Postbank, die den Test nur relativ knapp bestand, stiegen um 1,5 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht für keines der getesteten deutschen Geldhäuser eine Notwendigkeit, die Bonitätsnoten zu senken. "Bei den Belastungsproben sind für uns keine neuen Schwächen zutage getreten", sagte S&P-Bankenexperte Stefan Best der Nachrichtenagentur Reuters. Der Test habe eher die Meinung der Bonitätswächter zu den einzelnen Häusern untermauert. So sei etwa die Kapitalschwäche der Postbank bereits seit längerem bekannt - und in den Ratings berücksichtigt. Auch mit zusätzlichem Druck in Richtung Kapitalerhöhung rechne er nicht.

dho/Reuters / Reuters