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"Jedes Land außer Nordkorea": Netflix will in zwei Jahren die Welt erobert haben

Noch machen Netflix hohe Kosten für Ausbau und Serien-Eigenproduktionen zu schaffen. Das Konzept wird hingegen weltweit immer beliebter. In zwei Jahren soll die Expansion abgeschlossen sein.

Die Expansion nach Deutschland und andere europäische Länder zahlt sich für die US-Onlinevideothek Netflix aus. Dank eines kräftigen Kundenzuwachses im internationalen Geschäft stieg der Nettogewinn im vierten Quartal um 72 Prozent auf 83,4 Millionen Dollar, wie der Produzent von TV-Serien wie "House of Cards" am Dienstag mitteilte. Der Umsatz legte um ein Viertel auf 1,5 Milliarden Dollar zu. Im Schlussquartal 2014 gewann der Streaming-Service 2,43 Millionen neue Kunden außerhalb der USA und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Börsianer. Mit weiteren 1,9 Millionen neuen Nutzern im amerikanischen Heimatmarkt kam Netflix zuletzt insgesamt auf 57,4 Millionen Kunden.

Innerhalb der kommenden zwei Jahre werde Netflix auch in China starten, zunächst mit moderaten Investitionen, kündigte Firmenchef Reed Hastings an. Netflix gehe in "jedes Land außer Nordkorea", gab er die Marschrichtung in einem Interview mit dem Finanzdienst Bloomberg vor. In Deutschland war Netflix im vergangenen September im Zuge einer europäischen Expansion gestartet und ist aktuell in rund 50 Ländern vertreten. Der internationale Ausbau verschlingt aktuell noch viel Geld, ab 2017 will Netflix aber die Früchte mit "erheblichen Gewinnen" ernten. Bei den Anlegern kam die Entwicklung gut an. Die Aktie legte nachbörslich rund 15 Prozent zu.

Netflix bietet Filme und Serien im Abonnement über das Internet an und rüttelt damit am Geschäftsmodell der Kabel- und Bezahlfernsehbranche. Netflix ist seit dem vergangenen Jahr auch in Deutschland zu empfangen und konkurriert hierzulande etwa mit der ProSiebenSat.1-Tochter Maxdome, dem Dienst Watchever des französischen Medienriesen Vivendi und dem Amazon-Online-Streamingangebot Prime Instant Video.

Kosten für Eigenproduktionen steigen

Zugleich verursacht der Fokus auf Eigenproduktionen hohe Kosten, das Budget dafür schwoll inzwischen auf 9,5 Milliarden Dollar an - um zwei Milliarden binnen eines Jahres. Netflix will sich für die Finanzierung im laufenden Quartal rund eine Milliarde Dollar neues Geld als langfristige Schulden holen. Im laufenden Jahr soll es mit 320 Stunden drei Mal soviel eigenes Programm wie 2014 geben. Auch die Rivalen wie Amazon setzen auf eigene Inhalte. Weltweit bekanntgeworden ist Netflix mit selbst produzierten Serien wie dem Gefängnisdrama "Orange is the New Black" oder "House of Cards", in der Schauspieler Kevin Spacey die Rolle eines skrupellosen Machtpolitikers in Washington spielt.

ono/Reuters / Reuters