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Dank niedriger Ölpreise: Deutschland erwartet Konjunkturschub

Die Bundesregierung hofft für 2015 auf ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Grund ist der niedrige Ölpreis - und der lässt die Regierung milliardenfach sparen.

Die bundesregierung sieht dem Wirtschaftswachstum in 2015 immer positiver entgegen. Ein Grund: günstiges Öl.

Die bundesregierung sieht dem Wirtschaftswachstum in 2015 immer positiver entgegen. Ein Grund: günstiges Öl.

Deutschland hofft wegen des gesunkenen Ölpreises auf einen Konjunkturschub. Dem "Spiegel" zufolge rechnet die Bundesregierung für das kommende Jahr mit 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten zusätzlichem Wachstum. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann äußerte sich trotz der aktuellen Abschwächung zur wirtschaftlichen Entwicklung zuversichtlich und warnte vor weiterer Schützenhilfe durch die Europäische Zentralbank.

"Nach derzeitigem Stand und wenn der Ölpreis so niedrig bleibt, wird die Inflation noch niedriger als gedacht, das Wachstum aber besser", sagte Weidmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". In EZB schürt der Ölpreisrückgang allerdings die Angst vor einem für die Wirtschaft gefährlichen Preisverfall. In den kommenden Wochen soll eine Endscheidung über zusätzliche Instrumente im Kampf gegen eine Deflation und die Wachstumsschwäche fallen. EZB-Chef Mario Draghi hat bereits deutlich gemacht, dass er notfalls ohne Zustimmung der Deutschen neue Schritte gehen will. Dazu könnte auch der massenhafte Aufkauf von Staatsanleihen gehören.

Weidmann hingegen betonte, Europa gehe es nicht so schlecht wie mancher glaube. Die Prognosen sagten vielmehr eine Erholung im Euro-Raum voraus. Aus Sicht des Bundesbank-Chefs sprechen die erwarteten Wachstumsimpulse durch das billigere Öl gegen ein Eingreifen der EZB. "Uns wird ein Konjunkturprogramm geschenkt. Wozu also noch geldpolitisch eins draufsetzen?", gab er zu bedenken. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte vor Nebeneffekten der lockeren Geldpolitik. Billiges Geld dürfe "nicht den Reformeifer in einigen Ländern verringern", sagte er der "Bild". Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, plädierte in der "Welt am Sonntag" ebenfalls gegen Staatsanleihen-Käufe der EZB.

Warnung vor Staatspleite Russlands

Einem "Spiegel"-Bericht zufolge stellt sich das Wirtschaftsministerium auf eine "langanhaltende Phase niedriger Ölpreise" ein. Es gehe in einem internen Vermerk zudem davon aus, dass Deutschland 2015 rund zwölf Milliarden Euro oder fast 25 Prozent weniger an die Ölförderländer als in diesem Jahr überweisen werde.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, hält den direkten ökonomischen Nutzen des billigeren Öls für Autofahrer und Unternehmen dagegen für begrenzt. Er verwies im "Spiegel" vielmehr auf Risiken für die Weltkonjunktur. Sogar eine Staatspleite Russlands mit gefährlichen Auswirkungen auf die Finanzbranche sei denkbar.

Die Bundesbank hatte ihre Prognose für Deutschlands Wachstum 2015 auf ein Prozent von zuvor zwei Prozent gesenkt. Unter anderem die Ukraine-Krise und die schwächelnde Konjunktur in anderen Euro-Ländern dämpfen die Stimmung in der Wirtschaft. Nur noch sieben von 48 Branchenverbänden schätzen ihre aktuelle Lage besser als vor einem Jahr ein, wie eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln ergab.

Reuters / Reuters