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Nycomed: Pharma-Verkauf erfreut Altana-Aktionäre

Der dänische Arzneimittelhersteller Nycomed vollzieht mit dem Kauf der Pharmasparte von Altana einen Stratgieschwenk. Über den Deal freuen kann sich vor allem Großaktionärin Susanne Klatten: Altana schüttet den Nettoerlös aus.

Von Klaus Max Smolka

Das auf Lizenzpartnerschaften spezialisierte Unternehmen Nycomed will Altanas Forschung behalten – und kehrt damit wieder in ein Feld zurück, das sie im Zuge der Spezialisierung vor Jahren aufgegeben hatte. Nycomed zahlte nach Altana-Angaben 4,5 Milliarden Euro einschließlich 300 Millionen Euro Barreserven. Nycomed bezifferte den Kaufpreis mit 4,2 Milliarden Euro. Der Aufsichtsrat genehmigte die Transaktion, die schon an die Öffentlichkeit gelangt war. Damit spaltet sich einer der letzten gemischten Chemie- und Pharmakonzerne auf. Zugleich verschwindet ein weiterer wichtiger Pharmakonzern aus Deutschland, nachdem Hoechst in der französischen Sanofi-Aventis aufgegangen ist.

Unternehmenssitz wandert nach Zürich

Das fusionierte Unternehmen behält den Namen Nycomed, wird in Zürich sitzen und einen kombinierten Umsatz von 3 Milliarden Euro erzielen. Forschung und Entwicklung sollen aus Konstanz gesteuert werden, dem bisherigen Sitz von Altana Pharma. Die Transaktion soll zum Jahresende abgeschlossen sein – rechtzeitig bevor Konzernchef Nikolaus Schweickart und Finanzvorstand Hermann Küllmer 2007 in Rente gehen.

Schweickart hatte sich immer gegen den Druck des Kapitalmarkts gestemmt, der die Aufspaltung des chemisch-pharmazeutischen Mischkonzerns gefordert hatte. Nun musste er sie im Auftrag der Mehrheitseignerin Susanne Klatten doch vollziehen. Die hatte den Ausstieg aus ihrem Pharma-Engagement beschlossen, weil eines der beiden Schlüsselprodukte aus dem Medikamentennachschub vorläufig gescheitert war.

Gegen Kapitalmarktdruck gestemmt

Altana ließ sich von der Investmentbank Goldman Sachs beraten, Nycomed von Morgan Stanley und Credit Suisse. Diese beiden Banken finanzieren den Deal zusammen mit Citigroup. Nycomed gehört den Beteiligungsfirmen Nordic Capital, Credit Suisse Private Equity und Blackstone. Ursprünglich hatte Schweickart Finanzinvestoren als Käufer ausgeschlossen. Nachdem aber Wettbewerber abgewinkt hatten, musste er einen rhetorischen Purzelbaum machen. Gestern sprach er von einem "strategischen Käufer" – trotz der Eigner im Hintergrund.

Nycomed war 1999 als eines von drei Spaltprodukten bei der Aufteilung von Nycomed Amersham entstanden. Dessen Forschungslabors gingen damals in den anderen Teilen auf. Nun betreibt Nycomed nur noch Entwicklung in der späten Phase, also Tests von Medikamenten am Menschen – und den Vertrieb von Arzneien. Von den neun umsatzstärksten Medikamenten entstammen fünf noch den eigenen Labors aus früheren Zeiten, die anderen vier aus Partnerschaften mit der Konkurrenz. Altana war schon bisher einer der Partner: Nycomed vertreibt den wichtigsten Umsatzträger, das Magenmittel Pantoprazol, in Skandinavien und Belgien.

Zurück zu den Wurzeln

Nun kauft sich das Unternehmen mit den Labors von Altana wieder in die traditionelle Forschung ein. Ein Beispiel dafür, wie sich in der Pharmaindustrie Spezialisierung und Diversifizierung in derselben Firma abwechseln können. Nordic Capital war bei Nycomed 1999 eingestiegen. Der jetzige Deal zeigt, wie Finanzinvestoren von einer kleinen Plattform ausgehend ein bedeutendes Unternehmen schaffen. Der Finanzinvestor CVC hatte unlängst mit Großzukäufen in kürzester Zeit den zweitgrößten Druckfarbenhersteller der Welt aus dem Boden gestampft. Die Börse begrüßte gestern den Verkauf. Altana-Aktien zogen, nachdem sie kurz vom Handel ausgesetzt waren, um über vier Prozent an auf 46,60 Euro. Altanas Chemiesparte soll nun alleine an der Börse weiterbestehen.