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Öffentlicher Dienst: Arbeitgeber wollen längere Wochenarbeitszeit

Die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes bewilligen eine Lohnerhöhung von drei Prozent, wenn die Angestellten etwas länger pro Woche arbeiten und die Tarifverträge eine längere Laufzeit haben.

Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst sind offenbar bereit, eine Lohnerhöhung von drei Prozent zu akzeptieren, wenn sie an anderen Stellen deutlicher entlastet werden als im Schlichterspruch vorgesehen. Dies berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Arbeitgeberkreise.

Die Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden wollen nach Angaben der Zeitung bei der nächsten Verhandlungsrunde am Mittwoch in Potsdam ein Angebot vorlegen, das eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit um mindestens eine halbe Stunde und eine Laufzeit des Tarifvertrages zwischen 20 und 24 Monaten vorsieht. Laut Schlichtungsvorschlag sollte der Tarifvertrag eine Laufzeit von 18 Monaten haben. Eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit war in dem Schlichterspruch nicht vorgesehen.

Kurt Martin hofft auf Einigung in letzte Minute

Das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft ver.di, Kurt Martin, hofft im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes doch noch auf eine Einigung in letzter Minute. Er glaube, dass ein Durchbruch in Potsdam möglich sei, nachdem die Schlichter klar gemacht hätten, dass eine Einigung bislang an der Haltung der Arbeitgeber gescheitert sei, sagte Martin am Dienstag im DeutschlandRadio Berlin. Nach der erfolglosen Schlichtung in Bremen wollen die Tarifparteien am Mittwoch in Potsdam einen allerletzten Anlauf zur Beilegung des Konflikts nehmen.

Ein Streik werde die öffentliche Hand mehr kosten als die geforderten Lohnerhöhungen um zunächst 2,4 und dann noch einmal 0,6 Prozent, warnte Martin. Wenn die Arbeitgeber in Potsdam kein akzeptables Angebot auf Grundlage der Schlichterempfehlung vorlegten, seien die Verhandlungen endgültig gescheitert. "Wir würden dann Mitte Januar in einen unbefristeten Arbeitskampf eintreten", kündigte Martin an. Den volkswirtschaftliche Schaden nähmen die Arbeitgeber billigend in Kauf, kritisierte er.

Schröder appelliert an Tarifparteien

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat an die Tarifparteien im öffentlichen Dienst appelliert, einen Streik zu vermeiden. Schröder sagte am Montag auf der Klausurtagung seiner Partei in Wiesbaden, er wolle sich in die Auseinandersetzungen nicht einmischen. Obwohl die Positionen noch weit auseinander seien, habe er aber den Wunsch, dass sie ohne Arbeitskampf zusammengeführt werden sollten.

Schröder sagte, dass "Arbeitskämpfe nicht sonderlich hilfreich" seien. Er hoffe auf ein befriedigendes Ergebnis, "ohne dass es zu einem Arbeitskampf kommen muss". Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement erklärte: "Streik wird ja von niemandem gewünscht und erst recht nicht in der jetzigen Zeit." Er hoffe, dass noch ein Ausgleich gefunden werde.