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Ölpreis: Das teure Emslandöl ist wieder attraktiv

Eigentlich ist das im Emsland gewonnene Erdöl als Rohölsorte wenig begehrt: Die Qualität ist eher schlecht, die Förderung aufwendig und die Verarbeitung teuer. Doch die aktuellen Weltmarktpreise könnten eine rosige Zukunft bedeuten.

Die momentan hohen Weltmarktpreise zwischen 60 und 70 Dollar pro Barrel Rohöl könnten dem lange Zeit unattraktiven schwarzen Gold aus dem westlichen Niedersachsen eine rosige Zukunft verheißen. "Vor fünf oder sechs Jahren, als der Rohölpreis bei 10 Dollar pro Barrel lag, sah das alles noch anders aus", sagt Hartmut Pick, Sprecher des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hannover. Damals seien Stilllegungen von Ölfeldern ernsthaft diskutiert worden. Mittlerweile haben sich unter dem Eindruck der hohen Rohölpreise die Rentabilitätsberechnungen der Ölkonzerne auch für das Revier an der deutsch-niederländischen Grenze geändert.

Nachbar Niederlande macht's vor

Beispielhaft dafür steht ein Projekt, ein Steinwurf vom Emsland entfernt auf niederländischem Gebiet: Die Ölgesellschaft NAM will in Schoonebeck ein 1996 stillgelegtes Erdölfeld wieder eröffnen. Spätestens 2008 soll von dort Öl in die Raffinerie nach Lingen fließen.

Die Förderung und Verarbeitung des Öls im Emsland sei technisch anspruchsvoll und damit teuer, erläutert Jan Weinreich, Sprecher bei Gaz de France. Das Unternehmen betreibt zusammen mit Konsortialpartnern wie der BASF-Tochter Wintershall und ExxonMobil die Abbaufelder in der Region. "Generell liegt das Öl in sehr tiefen und sehr kleinen Lagerstätten mit sehr schwierigen geologischen Verhältnissen", erklärt Weinreich. Zudem sei das Öl relativ schwer und im Vergleich mit der Nordseeölsorte Brent qualitativ eher schlecht.

Schwierige Förderung

Leicht ist es deshalb nicht, das Emsland-Öl in 800 bis 1000 Metern Tiefe zum Sprudeln zu bringen. "Das Öl ist im Gestein wie in den Poren eines Schwamms enthalten", sagt Michael Pasternak vom Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung in Hannover. Um es zu fördern, muss das Öl entweder mit Wasser aus dem Gestein gespült oder mit Dampfdruck herausgepresst werden. Wie hoch der Aufwand ist, den die Konzerne treiben müssen, wird nicht veröffentlicht. "Das ist Betriebsgeheimnis", sagt Pick.

Auch die Weiterverarbeitung sei aufwendig und teuer, berichtet Josef Lemper, verantwortlich für die Rohölbeschaffung bei der zum BP-Konzern gehörenden Erdölraffinerie Emsland in Lingen. Das emsländische Öl enthält nur einen geringen Anteil an direkt gewinnbaren Benzinen und Mitteldestillaten. "Um dennoch die vom Markt geforderten Produkte Benzin, Diesel, Kerosin und leichtes Heizöl aus den zähen, langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen zu gewinnen, muss das Öl im Gegensatz zu den leichteren Brent- oder gar Sahara- Ölen mit erhöhtem Aufwand und Energieverbrauch über zusätzliche Konversionsanlagen verarbeitet werden."

Test für neue Fördertechniken

Trotz allen Aufwands behalten die Ölkonzerne die Förderung im Emsland bei - nicht nur wegen der derzeit hohen Rohölpreise. "Wir würden an der Förderung im Emsland allein schon deshalb festhalten, um neue Fördertechniken auszuprobieren", sagt Nicholas Neu von der Wintershall AG. Das so gewonnene Know-how wiege die Kosten auf.

Elmar Stephan/DPA / DPA