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Opel-Übernahme: Magna muss zittern

Nach nächtlichen Marthonsitzungen in Berlin wurde Magna als Opel-Retter gefeiert - zu früh, wie sich jetzt zeigt. Denn das Rennen um den Rüsselsheimer Autobauer ist offener denn je. Chinesen schauen sich im Stammwerk um, Amerikaner bleiben am Ball - und Araber sollen auch Interesse haben.

Es ist etwas stiller geworden um Opel. Dabei ist das Rennen um den Autobauer aus Rüsselsheim offen - und der chinesische Autobauer BAIC voll dabei. Eine Delegation hat sich am Dienstag und Mittwoch in Rüsselsheim einen ersten Vor-Ort-Überblick über die Situation bei Opel verschafft, wie aus Branchenkreisen verlautete.

Zwischen GM und dem bereits als Opel-Retter gefeierten Autozulieferer Magna existiert bisher nur eine Absichtserklärung über eine Übernahme von Opel. "Dieses Memorandum of Understanding besitzt keine rechtliche Bindung", sagte der Vorsitzende des Opel-Treuhänderbeirats, Fred Irwin, dem "Handelsblatt". "Allen Interessenten stehen die gleichen Informationsrechte zu", sagte er. Weitere Bieter seien willkommen, bekräftigte Irwin.

Auch dem Finanzinvestor Ripplewood wird weiterhin Interesse an Opel nachgesagt. Möglicherweise liefen sich noch andere Bieter warm, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Es gebe Signale, dass es im arabischen Raum doch Interesse an Opel gebe. Ein Opel-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Opel ist derzeit zu 65 Prozent im Besitz der Treuhand-Gesellschaft, um das Unternehmen aus der Insolvenzmasse von General Motors (GM) in den USA herauszuhalten. GM bleibt nach den bisherigen Plänen mit 35 Prozent an Opel beteiligt. Magna möchte mit der russischen Sberbank 55 Prozent von der Treuhand übernehmen, zehn Prozent sollen an Händler und Mitarbeiter gehen.

Angestrebt würden von GM zumindest zwei ernsthafte Angebote, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Wenig Aussicht auf Erfolg hat Beobachtern zufolge eine von den Amerikanern geplante Rückkaufoption für Opel. "Das ist nicht seriös. Entweder man verkauft Opel oder nicht", sagte ein Insider. Magna werde sich davon aber kaum beunruhigen lassen.

IG Metall sauer über Ausschluss von Forster

Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild beanstandete in einem Gespräch mit der "Wirtschaftswoche" untererdessen einen faktischen Ausschluss von GM-Europa-Chef Forster von den Gesprächen mit Magna. Die Gewerkschaft wolle das am kommenden Freitag im Opel-Aufsichtsrat zum Thema machen. Forster sei vom Aufsichtsrat "mit einstimmigem Beschluss ermächtigt und beauftragt worden, die Architektur der neuen Opel-Aktiengesellschaft" mit auszuhandeln, sagte er. Schild sieht dennoch Chancen, dass es bis 15. Juli eine Einigung zwischen GM und Magna gibt, die auch die IG Metall akzeptieren könne.

Wirtschaftlich lief es laut "Handelsblatt" bei Opel bislang besser als gedacht. Wie das Blatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, konnte Opel ein Liquiditätspolster in niedriger einstelliger Millionenhöhe ansammeln. Allerdings scheint der Effekt der Abwrackprämie allmählich auszulaufen. Ein Opel-Sprecher bestätigte am Mittwoch einen Bericht des MDR, wonach es im Eisenacher Werk vom 25. bis 30. Juni und vom 13. bis 19. Juli Kurzarbeit geben soll.

DPA/Reuters/ben / DPA / Reuters