HOME

Pfizer: US-Pharmakonzern setzt Cholesterinpatienten unter Druck

Durch die Gesundheitsreform sollen Medikamente günstiger werden. Viele Cholesterinpatienten werden davon aber nicht profitieren. Der marktbeherrschende US-Pharmakonzern Pfizer hält sein Medikament für zu gut für eine Preissenkung.

Rund 1,5 Millionen Kassenpatienten, die den Cholesterinsenker Sortis einnehmen, sollen ab 1. Januar auf ein anderes Medikament umsteigen oder einen Teil des Preises aus eigener Tasche zahlen. Das wären rund 57 Euro pro Hunderter-Packung Sortis. Der Hersteller Pfizer teilte am Montag in Berlin mit, er werde die neue Festbetragsregelung für diese Art von Arzneien nicht mitmachen. Somit werde der Preis nicht entsprechend den neuen Obergrenzen gesenkt, sagte Pfizer-Chef Walter Köbele.

Die neuen Festbeträge sind Teil der Gesundheitsreform und betreffen auch einige patentgeschützte Arzneien. Die Obergrenze für die Erstattung durch die Krankenkassensollte eigentlich eine Preissenkung erzwingen und ab 2005 eine Milliarde Euro zu Lasten der Pharmaindustrie sparen. Gelten sollen sie für so genannte Scheininnovationen, die zwar neu und teuer sind, aber für Patienten keinen echten Zusatznutzen bringen.

Kassenverbände empfehlen den Wechsel

Die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und das Bundesgesundheitsministerium empfahlen Patienten, die eine Zuzahlung vermeiden wollen, mit ihren Ärzten über den Wechsel zu einem anderen Präparat zu sprechen. "Es steht eine große Auswahl an therapeutisch vergleichbaren Produkten zur Verfügung, die nicht teurer als der Festbetrag sind", erklärten die Verbände und das Ministerium. "Versicherte müssen sich also nicht vor den Karren der Preispolitik eines Unternehmen spannen lassen".

Pfizer ist der Ansicht, dass das für sein Produkt Sortis mit dem Wirkstoff Atorvastatin nicht zutrifft. In der Gruppe der Statine genannten Cholesterinsenker sei die Pfizer-Pille "das bessere Produkt", sagte Köbele. Dies sei in etlichen Studien nachgewiesen. Patienten drohten bei einer Umstellung auf ein anderes Mittel schlechtere Cholesterinwerte, mehr Infarkte, Schlaganfälle und Herztode. Die Einbeziehung von Sortis in Festbetragsgruppen sei falsch, und Pfizer werde auch rechtlich dagegen vorgehen.

Pfizer will Festbeträge aushebeln

Dabei will Pfizer die Zwei-Prozent-Grenze anwenden, die bei den gesetzlichen Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen gilt: Wer mehr als zwei Prozent des Bruttoeinkommens für den Eigenanteil bei Sortis aufgewendet hat, bekommt eine Erstattung, erklärte der Hersteller. (AP)

Themen in diesem Artikel