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Plagiate-Shop: "Channel"-Handtaschen im Sonderangebot

Eine Handtasche von "Channel" für 299 Euro? Aber wird Chanel nicht mit einem "n" geschrieben? Die Tasche gibt es auf einer ungewöhnlichen Online-Plattform, die allerdings nicht zum Shoppen einlädt.

Na, das ist doch mal ein Preis-Knüller: Ein "Channel"-Handtäschchen mit Kettenhenkel für nur 299 Euro. Da muss man doch zuschlagen! Oder vielleicht doch nicht?

Wer genauer hinsieht, entdeckt den Schwindel recht schnell: Die "stilechte Fälschung" besteht aus Kunstleder, hat "hauchzarte Nähte" und "keine Garantie". Wer sich freut, für kleines Geld große Qualität zu ergattert, wird enttäuscht. Denn eine echte Chanel, mit nur einem "n" und hochqualitativer Verarbeitung, gibt es beim Shopping-Portal "plagiate-shop.de" sicherlich nicht. Auch die angebotene "Leima"-Kamera sieht nur aus wie die bekannten Leica-Geräte. Statt super Fotos sei die Belichtung automatisch unterbeleuchtet. Und wer sich für die tolle Uhr der Firma "Glashaus" interessiert, bekommt eine teilweise vergoldete Uhr - die vielleicht auch ein bisschen wasserdicht ist. Vielleicht. Die Botschaft hinter diesen gefakten Angeboten ist klar: Finger weg von Billig-Kopien.

Plagiate kosten Milliarden

Hinter dem Online-Auftritt stecken die großen Markenhersteller selbst. Neben dem Pariser Luxus-Label Chanel machen beispielsweise auch der noble Schreibutensilien-Hersteller Faber-Castell, die Porzellan-Manufaktur Meissen, der Uhrenhersteller Glashütte Original und das Kamerunternehmen Leica mit. Sie wollen mit der Kampagne auf den "Schutz der kreativen Leistungen von Unternehmen" hinweisen. Denn ob Elektronik, Mode oder Luxus-Uhren: Unternehmen kämpfen gegen Produktpiraterie.

76 Prozent der deutschen Unternehmen sind von billigen Nachahmerprodukten betroffen. Der Schaden, der jährlich durch Kopien entsteht, wird von der Internationalen Handelskammer auf 650 Milliarden US-Dollar geschätzt. Allein in Deutschland beläuft sich der Ausfall der Industrie auf 50 Milliarden Euro, so die Kampagne vom Unternehmensverband Meisterkreis. Allerdings kämpfen die Hersteller nicht nur gegen die Produktkopien, sondern vor allem gegen die gesellschaftliche Akzeptanz bei den Kunden, denn: 90 Prozent der Verbraucher haben kein Problem damit, eine Fälschung zu kaufen, so eine Studie von Ernst & Young.

China zählt zu den größten Billig-Kopierern

China ist nach wie vor das Land, aus dem die meisten Plagiate nach Europa gelangen. Weltweit zählt China nach Thailand zu den größten Billig-Kopierern der Welt. Kaum eine Woche in Deutschland, in der nicht nachgemachte Produkte vom Zoll entdeckt werden: Mitte Oktober wurden Container mit kopierter Tupperware in Osnabürck entdeckt. In Hamburg fanden Zollbeamte Billig-Viagra, das in Möbelstücken steckte. Und auf einer österreichischen Motorradmesse tauchte eine Vespa-Kopie auf.

Alibaba muss ausmisten

Dass Plagiate als Wirtschaftszweig in China gelten, macht auch dem größten Online-Händler Alibaba zu schaffen. Auf den verschiedenen Unterseiten des Konzerns zählt der Verkauf von Billig-Kopien zum Geschäftsmodell - aber Alibaba will auch westliche Markenhersteller locken und kommt ihnen nun entgegen. Angebote von unautorisierten Händlern, die über die Plattform besonders billig Luxus-Produkte verkaufen wollen, werden von der Seite verbannt. Mit diesem Vorgehen reagiert Alibaba auf die Beschwerden von Markenherstellern wie Burberry oder Estée Lauder - und auf das juristische Vorgehen des Konzerns Kering, zu dem Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent gehören. Alle warfen dem chinesischen Internetgiganten vor, das Geschäft von Fälschern auf seinen Shoppingseiten zu erleichtern. Kering reichte Klage ein.

Katharina Grimm
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